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Tödliches Telefonieren am Bahnübergang

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Von: Marie-Sophie Adeoso

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An Bahnübergängen ist vorsichtiges und aufmerksames Verhalten gefragt.
An Bahnübergängen ist vorsichtiges und aufmerksames Verhalten gefragt. © Rolf Oeser

Der tödliche Unfall eines 15-Jähriger an einem Bahnübergang in Hainburg löst eine Debatte über die Sicherheit von Bahnübergängen aus. Dabei führen oftmals Leichtsinn oder die Missachtung der Verkehrsregeln zu tragischen Unfällen.

Eine Anmerkung ist dem Sprecher der Deutschen Bahn gleich besonders wichtig: „Es gibt keine riskanten Bahnübergänge.“ Denn jeder Gleis-Übergang müsse vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden und werde dann entsprechend gesetzlicher Vorgaben gesichert. Gleiches gelte auch für Übergänge an Tram- und U-Bahn-Gleisen, bestätigt Karola Rack, Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Dass es dennoch immer wieder zu schweren Unfällen kommt, wie am Dienstagabend in Hainburg im Kreis Offenbach, liege fast immer an der „Missachtung von Verkehrsregeln“ durch unvorsichtige Fußgänger, Radler oder Autofahrer, so der Bahnsprecher weiter. Ein 15-Jähriger war dort am Dienstag ums Leben gekommen, als er einen unbeschrankten Bahnübergang trotz roter Ampel und Warnpfiff des herannahenden Regionalzugs mit dem Fahrrad überqueren wollte und dabei offenbar telefonierte.

Stadtpolizei setzt auf Prävention

Ein Verhalten, das auch in Frankfurt bereits Menschenleben kostete. So sorgte im Dezember 2011 der Tod einer 13-Jährigen für Bestürzung, die in Nieder-Eschbach trotz runtergelassener Schranke und Warnsignal die Gleise betrat und von einer U-Bahn meterweit mitgeschleift wurde. Sie soll Musik gehört haben. Im März 2012 starb ein 71-jähriger Radler in Zeilsheim, der trotz abgesenkter Schranken auf die S-Bahn-Gleise fuhr. Manfred Füllhardt, Sprecher der Frankfurter Stadtpolizei, macht solch fahrlässiges Verhalten ratlos. „Im Kindergarten lernt man: ich gucke nach links und nach rechts, ehe ich die Straße überquere.“ Gleiches gelte selbstverständlich auch für Bahnübergänge. Trotzdem fielen seinen Polizeikollegen in der Stadt immer wieder Leute auf, die mit Kopfhörern oder telefonierend über die Gleise liefen oder führen, ohne auf Ampeln oder herannahende Bahnen zu achten. „Die werden auch mal angesprochen, ihre Kopfhörer abzunehmen“, sagt Füllhardt. Aber systematische Kontrollen seien sehr schwierig. „Wir können ja nicht an jeden Bahnübergang einen Schutzmann stellen.“ Stattdessen setze man auf Prävention, etwa durch Verkehrserziehung in Schulen. Auf Frankfurter Tram- und U-Bahngleisen gab es 2012 keine Todesfälle, sagt Polizeisprecher Manfred Füllhardt, aber zahlreiche Verletzte. Fünfmal krachte es zwischen Radlern und Schienenfahrzeugen, 18 Mal kamen Fußgänger unter die Räder. Dabei wurden 21 Menschen leicht und zehn schwer verletzt. So etwa eine 16-Jährige im Mai 2012 – abermals in Nieder-Eschbach. Auf S-Bahn- und Zuggleisen der Deutschen Bahn starben hessenweit laut Bundespolizei dieses Jahr bereits sieben Menschen, vergangenes Jahr gab es neun Tote (mögliche Suizide nicht einberechnet). Dabei, so betont der Sprecher der Deutschen Bahn, sei jeder Gleisübergang gesichert. Welche Art der Sicherung gewählt werde, richte sich etwa danach, ob die Gleise von einem Fuß- oder Radweg gekreuzt würden, wie stark und mit welcher Geschwindigkeit Straßen und Gleise befahren würden oder wie die Sichtverhältnisse seien. Grundsätzlich gelte, dass der Schienenverkehr Vorfahrt vor anderen Verkehrsteilnehmern habe. Am Andreaskreuz müsse man immer anhalten. Zusätzlich zu dieser nicht-technischen Sicherung sicherten je nach Erfordernis Licht- und Tonsignalanlagen, Drängelgitter oder Schranken den Übergang – wenn man sie denn beachtet.

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