Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Petra Kipper mit Leguan.
+
Petra Kipper mit Leguan.

Rodgau

Tierschützerin fühlt sich gemobbt

  • VonFrank Sommer
    schließen

Petra Kipper ist Expertin für exotische Tiere. Aus ganz Deutschland werden Tiere in ihre Auffangstation gebracht, sie schult Flughafenpersonal, Polizei und Feuerwehr. DSoch von Veterinäramt und Unterer Natuschutzbehörde fühlt sie sich ausgebremst.

Grüner Körper im grünen Blattwerk: Gut getarnt ist es, das Chamäleon. Mit einer Artgenossin zusammen sitzt es in einem Terrarium in der Exotenstation von Petra Kipper. Die Rodgauerin räumt auch gleich mit einem Klischee auf: „Es kann zwar die Farbe wechseln, aber das geschieht nicht zur Tarnung, sondern ist emotionsbedingt.“ Mit Regenanlage, UV-Licht und Wärmespots ist das Terrarium der Reptilien ausgestattet. „Das ist unverzichtbar für die Haltung“, sagt Kipper, „nur unterschätzen die meisten Leute, wie viel Aufwand Exoten überhaupt erfordern.“

Seit über 20 Jahren kümmert sich Kipper ehrenamtlich um den Tierschutz, unterhält eine Wildtierauffangstation und muss sich auch vermehrt um Exoten kümmern. Aus der ganzen Republik werden von Tierheimen, Polizei oder Feuerwehr Tiere zu ihr gebracht. Doch nun droht die Tierschützerin, ihre Arbeit einzustellen: Von der beim Kreis angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde und dem Veterinäramt fühlt sie sich gemobbt. Im Herbst hatte sie aus Protest gar keine Tiere mehr aufgenommen, nun wird der Streit vor Gericht gebracht.

Mangelndes Fachwissen

Es geht um Anträge, deren Bearbeitung laut Kipper mehrere Jahre dauern, oder um Papiere, die plötzlich bei der Behörde nicht mehr auffindbar seien. Mehrere Aktenordner füllt die Korrespondenz mit der Behörde. „Und dadurch, dass der Rodgauer Haushalt vom Kreis gestoppt wurde, fehlt mir momentan auch noch der Zuschuss der Stadt.“ Ihre Arbeit finanziert sie ansonsten durch Vorträge.

Kipper legt jedoch Wert darauf, dass die Zusammenarbeit mit der beim Regierungspräsidium beheimateten Oberen Naturschutzbehörde von Vertrauen geprägt sei. Beim Kreis aber werde sie „wie eine Schwerverbrecherin behandelt.“ Dass sie zwar einerseits vom Kreis für ihre Arbeit geehrt werde, ihr aber gleichzeitig mangelndes Fachwissen vorgeworfen wird, ist für sie nicht nachvollziehbar. Das mangelnde Fachwissen treffe wohl eher auf das Veterinäramt zu, meint Kipper. Sie habe das Gefühl, man wolle gar nicht mit ehrenamtlichen Tierschützern zusammenarbeiten. „Bei jeder Kleinigkeit wird sofort mit einem Bußgeld in fünfstelliger Höhe gedroht.“

Streit zermürbt

Als Beispiel zeigt sie ihren Nachttierraum: 2008 schon stellte sie den Antrag dafür, bis heute sei er nicht genehmigt. Gebaut hat sie ihn schon, Chinchillas, Siebenschläfer und andere nachtaktive Tiere sind hier untergebracht. „Mir wird vorgeworfen, dass die ersten Skizzen nicht mit dem Raum übereinstimmen.“ Mehr Augenmaß würde sie sich vom Amt wünschen: „Wenn die Polizei mir mitten in der Nacht einen Chinchilla bringt, muss ich ihn natürlich erst einmal separiert unterbringen. Die anderen würden ihn nicht in der Gruppe akzeptieren und ihn beißen. Aber dafür gibt es bei Kontrollen leider kein Verständnis, es wird sofort mit Bußgeld gedroht.“

Kipper erinnert an den Streit der Mühlheimer „Igel-Insel“ mit dem Veterinäramt, deren Betreiberin nach 22 Jahren ehrenamtlicher Arbeit wegzog. „Der dauernde Streit zermürbt nicht nur, er geht an die Gesundheit.“ Dabei gebe es genug Aufgaben im Tierschutz: Rund 500 Wildtiere hat sie im vergangenen Jahr aufgepäppelt. Dazu kommen immer mehr Exoten, die aus dem ganzen Bundesgebiet zu ihr gebracht werden. Am Frankfurter Flughafen schult die Tierschützerin das Personal im Umgang mit Tieren, Polizei und Feuerwehr erlernen bei ihr den Umgang mit gefährlichen Tieren.

Beschwerde eingereicht

„Hier gäbe es einiges an Vorschriften zu ändern“, meint Kipper, „denn Exoten werden oft gedankenlos angeschafft.“ Dass auf Reptilienbörsen giftige Tiere angeboten werden dürfen, sorgt bei der Tierschützerin für Kopfschütteln. Voreilig angeschaffte Tiere wie der 1,60 Meter lange Leguan oder Kaiserskorpione landen dann allzu oft in ihren Terrarien.

„Im Tierschutz gibt es genug zu tun, da sollten wir doch gemeinsam an einem Strang ziehen“, meint Kipper mit Blick auf den bevorstehenden Prozess und die von ihr eingereichte Fachaufsichtsbeschwerde. Beim Kreis möchte man sich wegen des laufenden Verfahrens nicht dazu äußern. Sollte Kipper ihre Station schließen, so habe sie für eine adäquate Unterbringung der Tiere zu sorgen, heißt es.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare