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Tierfriedhof in weiter Ferne

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Von: Andreas Hartmann

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Im Kreis Offenbach gibt es bisher noch keinen Tierfriedhof. Unser Bild entstand in Bad Homburg.
Im Kreis Offenbach gibt es bisher noch keinen Tierfriedhof. Unser Bild entstand in Bad Homburg. © Martin Weis

Die Stadt prüft die Einrichtung eines Tierfriedhofes für Dreieich, will sich aber zurückhalten. Das wirtschaftliche Risiko erscheint ihr zu groß.

Ja, es ist möglich, aber ein Tierfriedhof für Dreieich liegt noch in weiter Ferne – das kann man auch ganz wörtlich nehmen. Denn bisher muss, wer eine offizielle Tierbestattung in Anspruch nehmen will, bis Langenselbold oder Bad Homburg fahren. In Frankfurt-Fechenheim bietet ein Tierschutzverein die Möglichkeit.

Gestern hat der Dreieicher Magistrat die Ergebnisse eines Prüfauftrags der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Die Stadtverordneten wollten wissen, ob die Einrichtung eines Tierfriedhofs in Kooperation mit Neu-Isenburg und Langen umsetzbar wäre. Der Friedhofszweckverband habe deshalb die Dreieicher Beratungsfirma Schüllermann & Partner damit beauftragt, die Zulässigkeit des Betriebs eines solchen kommunalen Bestattungsplatzes zu bewerten, berichtete Dreieichs Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos).

Der Friedhofszweckverband bleibt jedoch bei seiner kritischen Haltung zu einem Tierfriedhof. Errichtung und Betrieb eines solchen sei keine kommunale Pflichtaufgabe, heißt es in dem Bericht von Schüllermann & Partner. Außerdem argumentiert der Verband damit, dass das wirtschaftliche Risiko des Betriebs hoch sei, da es keine Bestattungspflicht für Haustiere gibt. Auch Burlon machte kein Hehl daraus, dass der Magistrat von einem städtischen Tierfriedhof nicht gerade begeistert wäre.

Trotzdem dürfte es eine Nachfrage nach solch einem Angebot geben: Wer an seinem Haustier hängt, für den kann dessen Tod so schlimm sein wie der Verlust eines Angehörigen. Der tote Tierkörper landet dann entweder recht pietätlos beim Abdecker oder wird – mehr oder weniger legal – im eigenen Garten oder im Wald begraben.

In Deutschland, wo es ja eigentlich für alles ein Gesetz gibt, regelt das die „Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsverordnung“, wie Kreis-Pressesprecherin Ursula Luh recherchiert hat. Erlaubt ist laut Verordnung unter anderem das Beerdigen von Guppys, Mäusen, Katzen, Frettchen, Hunden und Wellensittichen auf dem eigenen Grundstück, das aber nicht im Wasserschutzgebiet liegen darf. Ziegen, Gänse und Pferde hingegen müssen zum Abdecker. Offizielle Tierfriedhöfe gibt es bisher nach Angaben Luhs im Kreis Offenbach noch nicht. Man habe bisher noch keine Anfrage eines möglichen Interessenten gehabt, sagt Luh.

Intensive Diskussion

In Dreieich war in den vergangenen Monaten ebenso wie in Neu-Isenburg intensiv über eine solche Einrichtung diskutiert worden. Auch die Neu-Isenburger Stadtverordneten befassten sich mit dem Thema. Beide Städte arbeiten im gemeinsamen Friedhofszweckverband und dem Dienstleistungsbetrieb DLB zusammen. Der Neu-Isenburger Waldfriedhof an der Stadtgrenze beispielsweise hätte noch eine größere Fläche frei, die sich durchaus für Tierbestattungen eignen würde. Allerdings ist der Friedhofszweckverband bisher ausschließlich für Menschen zuständig.

Im Herbst habe die Dreieicher Stadtverwaltung ein Schreiben des hessischen Innenministeriums erhalten, in dem ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Friedhöfe dem Andenken Verstorbener dienten, sagte Burlon. Und damit seien eben ausschließlich Menschen gemeint. Tierbestattungen sind für das Ministerium deshalb nicht mit dem Friedhofszweck vereinbar. „Es gäbe aber auch noch andere Organisationsmöglichkeiten als den Friedhofszweckverband“, sagt Burlon.

Sehr viel einfacher wäre es, wenn ein Verein oder ein Privatmann einen Tierfriedhof eröffnen würde, wenn er denn die gesetzlichen Hürden überwindet. Genehmigen müsste dies das Veterinäramt des Kreises. Dieses müsste sich mit der Naturschutz- und der Baubehörde abstimmen. Das Grundstück darf nicht im Wasserschutzgebiet und nicht an einem öffentlichen Weg liegen.

Schließlich ist ein Bebauungsplan notwendig, egal ob der Tierfriedhof in der Stadt oder auf einer umgewidmeten landwirtschaftlichen Fläche eingerichtet wird. „Im Prinzip gelten aber dieselben Vorschriften wie bei der Einrichtung eines Friedwaldes“, sagt Luh.

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