Rödermark

Tagsüber zu wenige Retter

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Feuerwehrführung besorgt über geringe Verfügbarkeit der Einsatzkräfte

Die Tagesverfügbarkeit ihrer Aktiven bereitet der Feuerwehr Ober-Roden Kopfzerbrechen. „Die Einsatzabteilung hat gut 60 Männer und drei Frauen – das hört sich zunächst viel an“, sagt der künftige Wehrführer Marcus Kügler. „Aber nur 20 arbeiten in Ober-Roden – das heißt aber nicht, dass bei Alarm auch alle kommen können.“ Melden sich bei einem Einsatz morgens um 8 Uhr noch mehr als 20 Leute, können es zwei Stunden später nur noch die Hälfte sein.

Der scheidende Wehrführer Waldemar Schrod hatte deshalb jüngst in seinem letzten Jahresbericht nach 30 Jahren an der Spitze der Einsatzabteilung vor Personalmangel gewarnt. Sei bei der Alarmierung mit einer bestimmten Gefahrenlage zu rechnen – etwa bei der Gefährdung von Menschenleben – würden bereits bei der Erstalarmierung außer der örtlichen Feuerwehr auch zusätzlich die Nachbarfeuerwehren alarmiert.

Dies sei aber nur eine Notlösung, sagte Schrod. Er hält es für notwendig, „das hauptberufliche Feuerwehrpersonal in der Feuerwache Ober-Roden aufzustocken und für die Mitglieder der Einsatzabteilung Arbeitsplätze vor Ort anzubieten.“

Das Thema nimmt auch sein Nachfolger Marcus Kügler ernst, der am 5. März das Amt des Wehrführers von Schrod übernimmt. Er ist war schon länger als Nachfolger im Gespräch, hatte jedoch zunächst mit seinem Arbeitgeber, einem japanischen Halbleiterhersteller, klären müssen, ob er dieses zusätzliche ehrenamtliche Engagement ausüben kann. Der habe viel Verständnis gezeigt und sei außerdem selbst sozial sehr engagiert, sagt Kügler.

Diese Haltung der Arbeitgeber sei nicht selbstverständlich, bedauert er. Damit die Tagesverfügbarkeit dennoch auf einem ausreichenden Niveau bleibt, investiert die Ober-Rodener Wehr viel Zeit in Nachwuchsarbeit. 37 Jugendliche sind dort zurzeit, für deren Werbung viel getan wurde. Eigene Ferienspiele werden organisiert, viele Veranstaltungen, auch in Schulen, angeboten, es gibt einen Tag der offenen Tür mit vielen Aktionen. Für diese Arbeit werden die Ober-Rodener am kommenden Dienstag, 28. Februar, als „Wehr des Monats“ vom Land Hessen ausgezeichnet.

„Das ist alles viel Arbeit, die sich aber auch auf viele Schultern verteilt“, sagt der neue Wehrführer. Und die Wehr möchte noch weiter gehen: Sie will sich zu einer Familienfeuerwehr entwickeln, eine Frauenabteilung gibt es bereits im Verein, eine Kinderfeuerwehr ist geplant. „Wir wollen die ganze Familie einbeziehen, damit sich das Privatleben und das ehrenamtliche Engagement vereinbaren lassen und die Angehörigen auch etwas davon haben.“

Dennoch werde sich langfristig etwas an der Aufstellung der Wehr ändern müssen. Große Erleichterung bieten die städtischen Mitarbeiter im Bereich Brandschutz, der von Schrod geleitet wird. Doch die vier Leute reichten bei der aktuellen Tagesalarmstärke oft nicht aus.

Eine endgültige Lösung für eine ausreichende Tagesverfügbarkeit könne die Feuerwehr aber nicht alleine finden, heißt Küglers Fazit, „da müssen die Arbeitgeber mitziehen und die Politik mithelfen“.

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