+
Ladekabel nicht vergessen: Der Strom der Batterie reicht für rund 200 Kilometer.

Neu-Isenburg

Der summende Brummi

Die Start-up-Firma Gespa vertreibt elektrisch betriebene Lastwagen. Der Strom der Batterie reicht für rund 200 Kilometer.

Von Maurice Farrouh

Mit einem Zischen löst Martin Posingies die hydraulische Handbremse, dann gleitet der Siebeneinhalbtonner beinahe lautlos vom Hof auf die Straße im Gewerbegebiet von Zeppelinheim. Leise summt der Elektromotor, während Posingies den Laster Richtung Schnellstraße lenkt. Dort brausen mit lautem Brummen der Dieselmotoren die Laster auf dem Weg Richtung Autobahn oder Cargo City vorbei.

„Als Student bin ich viel Lkw gefahren, als Job in den Semesterferien“, sagt Posingies. Heute steigt der Ingenieur der Elektrotechnik und Geschäftsführer der Neu-Isenburger Firma Gespa nur noch zu Vorführungszwecken ins Führerhaus – und auch nur in das eines ganz speziellen Lastwagens: Der „Smith Newton“ läuft vollständig mit Strom und ist nach Ansicht von Gespa, die das Gefährt in Hessen und Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben exklusiv vertreiben, dem herkömmlichen Diesel-Brummi zumindest bei kürzeren Strecken in allen Belangen überlegen. Rund 200 Kilometer weit kommt der Laster mit einer Batterieladung.

„Das Fahrzeug ist nicht nur umweltfreundlich, sondern lohnt sich auch wirtschaftlich“, sagt Ingo Steinbrecher, ein weiteres Mitglied des vierköpfigen Gründerteams. Dabei ist der Newton deutlich teurer als ein herkömmlicher Lkw. Knapp hunderttausend Euro müssen Käufer auf den Tisch legen. Das ist rund doppelt so viel wie für einen herkömmlichen Diesel-Truck. „Aber die laufenden Kosten sind so viel niedriger, das rechnet sich sehr schnell“, sagt Steinbrecher. Zudem helfe die KfW-Bank mit günstigen Krediten von 1,8 Prozent. Nach fünf Jahren und 250000 Kilometern hat der Elektro-Brummi inklusive Anschaffung, Wartung und Energiekosten nach seiner Rechnung rund 150000 Euro gekostet, ein herkömmlicher Lkw dagegen knapp 200000 Euro.

In Amerika bereits etabliert

Neben dem wirtschaftlichen Vorteil komme der Imagegewinn hinzu, sagt Posingies. Gerade für Lieferungen in der Nacht oder am frühen Morgen in Innenstädten sei der lautlose Motor hervorragend geeignet, weil durch ihn keine Anwohner gestört würden. „In Amerika setzen schon viele große Firmen auf Elektro-Lkw: Fed Ex, UPS, Coca Cola. Auch in Asien hat man das Potenzial erkannt.“ In Deutschland dagegen seien bislang nur etwa eine Handvoll der Elektro-Laster auf den Straßen unterwegs. „Aber das kommt jetzt so langsam.“ Aus der Region hätten schon einige Firmen Interesse angemeldet.

Auch die Nachbarn im Zeppelinheimer Gewerbegebiet sind neugierig geworden. Mit vier Mann ist am Freitag eine Delegation vom Flughafen-Caterer LSG Sky Chefs herübergekommen, um sich den Lastwagen anzuschauen. „Interessant ist das für uns auf jeden Fall“, sagt LSG-Einkäufer Thomas Klöppel. Abschreckend sei allerdings der Preis. „Das könnte ich mir zurzeit höchstens über Leasing vorstellen.“

Der Laster ist indessen nur eines von vielen „grünen“ Elektro-Produkten, mit deren Vertrieb Gespa – German Energy Service and Project Partner – Geld verdienen will. Die Palette ist breit, vom Elektro-Roller „Tante Paula“ über das hundert Stundenkilometer schnelle E-Dreirad „Sam“ bis zu Wasserkraft-Turbinen und Windrädern reicht das Sortiment. Manche Produkte, wie der „Newton“ sind bereits in Serie, viele andere bisher noch Prototypen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare