1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Kreis Offenbach

Der Straßen-Kümmerer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Hartmann

Kommentare

Arnold Sipos ist Langens erster „Straßen-Carer“.
Arnold Sipos ist Langens erster „Straßen-Carer“. © Rolf Oeser

Arnold Sipos hält die Bahnstraße in Schuss. Befristet ist der Versuch erst einmal bis zum Jahresende. Finanziert wird er von den Stadtwerken und dem Gewerbeverein.

Es ist wieder einer dieser Zwitter aus Deutsch und Englisch, sehr modisch auch noch zusammengeschrieben – seit einigen Tagen hat die Stadt Langen für die Obere Bahnstraße einen „StraßenCarer“, so die offizielle, recht unschöne Eigenschreibung der Stadt. Dennoch steckt hinter der Sprachpanscherei, die mit den Begriffen Straßenkehrer und Betreuer spielt, eine gute Idee.

Arnold Sipos, gelernter Gärtner und bei den Kommunalen Betrieben (KBL) angestellt, geht in dem Gebiet von der Kreuzung Goethestraße über den Lutherplatz sozusagen Ordnungs-Streife im wahrsten Sinne des Wortes, eben als Straßen-Kümmerer. „Wir schreiben den Begriff auf Englisch, weil wir darauf hinweisen wollen, dass er nicht nur mit dem Besen unterwegs ist, sondern sich auch kümmert“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD).

Sauberkeit und Sicherheit seien große Themen, auf die er oft von den Bürgern angesprochen werde. Auch viele der Verbesserungsvorschläge, die die Stadt bei der diesjährigen Gewerbemesse einsammelte, drehen sich darum. Es gebe ja große Konzepte für die Bahnstraße, sagt Gebhardt. Die sei schließlich „geografischer und emotionaler Mittelpunkt der Stadt“. „Aber die Pläne liegen aufgrund unserer Haushaltslage in der Schublade.“

Umso wichtiger sei es da, die Bahnstraße in Schuss zu halten, bis der ganz große Coup in Sachen Stadtumbau irgendwann doch noch möglich werde, sagt Gebhardt. Der Straßen-Kümmerer kostet da nicht viel, befristet ist der Versuch erst einmal bis zum Jahresende. Finanziert wird er von den Stadtwerken und dem Gewerbeverein.

Sauberkeit als vorderste Aufgabe

„Sauberkeit und Sicherheit sind an sich keine besonderen Argumente für eine Einkaufsstraße, aber wenn es irgendwo unsauber und unsicher ist, dann wirkt sich das negativ aus“, sagt Wirtschaftsförderer Joachim Kolbe. Sipos soll in Langens Haupteinkaufsstraße jeweils für drei Stunden an fünf Tagen pro Woche nach dem Rechten sehen. „Sauberkeit ist seine vorderste Aufgabe. Das soll ein Zeichen setzen“, sagt Kolbe. Der Straßen-Kümmerer werde, so hofft es Kolbe, Einzelhändler und Hauseigentümer, aber auch das Publikum zum Mitmachen anregen. So solle „ein offener Dialog mit Anwohnern und Gewerbetreibenden“ entstehen. „Wir wollen zeigen, dass uns die Meinung der Bürger wichtig ist“, sagt Gebhardt.

Sipos‘ Uniform ist eher leger, er trägt ein graues T-Shirt mit einem Stadt-Logo. „Das sollte sich ganz bewusst vom Orange der Straßenreinigung absetzen“, sagt Kolbe. Wie waren denn die ersten Arbeitstage, Herr Sipos? „Sehr warm!“, stöhnt der 43-Jährige kurz und knapp. Und kommt dann doch ins Erzählen. „Ich beobachte erst mal, was sich so tut. Eine Kneipe hat zum Beispiel schon die Zigaretten aus dem Lichtschacht vor dem Haus geholt, seit ich unterwegs bin.“

„Es soll ja nicht so sein, dass die Anwohner alle Aufgaben auf den Herrn Sipos übertragen“, sagt Gebhardt. „Er soll nur Signale geben.“

Grundsätzlich, findet Wirtschaftsförderer Kolbe, wäre ein Straßen-Kümmerer auch auf der Unteren Bahnstraße wünschenswert. Man könne mit guten Ideen viel für den Einzelhandel bewegen, wenn man die vorhandenen Kräfte vereinige. Kolbe spricht beispielsweise von einer Einkaufs-App oder von Gutscheinen, die sich in mehreren Langener Geschäften einlösen ließen.

Auch interessant

Kommentare