+
Das Fachwerkhaus Leukertsweg 8 soll abgerissen werden.

Stadtentwicklung

Still und heimlich verschwinden Fachwerkhäuser in Langen

  • schließen

Das Ehepaar Doffing fordert in offenem Brief ein Eingreifen der Politik. Inzwischen hat sich ein Unterstützerkreis zusammengefunden.

Muss denn historische Bausubstanz, die ja den Charme eines Ortes ausmacht, nach und nach aus dem Langener Stadtbild verschwinden? Diese Frage stellt das Ehepaar Doffing, und wendet sich zusammen mit einem Unterstützerkreis aus Alt- und Neubürgern an die lokalen politischen Verantwortlichen. In einem offenen Brief fordert die 20-köpfige Gruppe, die „nicht mehr zeitgemäßen“ Bebauungspläne im Bereich um die Altstadt zu überarbeiten, den Geltungsbereich der Altstadtsatzung zu erweitern, einen Beirat für die Stadtgestaltung ins Leben zu rufen und der Verwahrlosung einzelner alter Häuser Einhalt zu bieten. Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) steht den Ansinnen positiv gegenüber.

Aufreger und zugleich Aufhänger für den offenen Brief ist der geplante Abriss des Fachwerkhauses Leukertsweg 8 – nachdem schon im Vorjahr ein 166 Jahre altes Haus in der Wassergasse 24 „überraschend verschwand“. Nun hängt auch an dem kleinen Haus aus dem Jahr 1819 ein großes Transparent „Neubau Eigentumswohnungen“.

„Wir sind besorgt“, schreiben die Doffings in ihrem offenen Brief. „Das alte Langen wird nach und nach abgerissen.“ Es sei erschreckend, wie wenig das alte Stadtbild und die Häuser geschützt seien. Die jetzigen Bebauungspläne seien beschlossen worden, als der damalige Zeitgeist alles Alte als unmodern und verzichtbar betrachtet habe. Die Häuser in der näheren Umgebung der Altstadt sieht das Ehepaar, das selbst ein historisches Haus in der Wilhelmstraße erworben hat, als besonders gefährdet an. Wenn man deren Substanz aus dem 19. Jahrhundert nicht für erhaltenswert erachte, würde auch von der Langener Altstadt nicht viel übrig bleiben, schreiben sie. Kaum ein Fünftel der Häuser dort sei älter.

Bürgermeister Gebhardt verspricht, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zum einen will er die Altstadtsatzung überprüfen lassen, die vor vielen Jahren verabschiedet wurde. Zum anderen will er eine Dialogwerkstatt mit Faktencheck und Problemanalyse ins Leben rufen. „Dort soll darüber nachgedacht werden, wie wir alte Bausubstanz vor Veränderungen schützen können, ohne den Eigentümern zu sehr in ihre Sache einzureden.“ Die Verwaltung solle demnächst entsprechende Einladungen verschicken. Vorher will er die 20-köpfige Gruppe ins Rathaus zu sich bitten, um zu sehen, „wo genau der Schuh drückt“.

Einfach wird es nicht, prophezeit Gebhardt. Die Altstadtsatzung schütze nicht vor Veränderung und Abriss. Man müsse also einen Schritt weitergehen und Gebäude unter Denkmalschutz stellen. Doch die meisten Eigentümer würden sich hüten, einen Antrag bei der Denkmalschutzbehörde zu stellen, weil eine Sanierung oder ein Umbau dann meistens sehr viel teurer komme und das Amt beispielsweise die Farbgebung vorschreibe. „Und wenn die Kommune den Antrag stellt, ein Haus unter Denkmalschutz zu stellen, bekommt sie Ärger mit dem Eigentümer“, sagt Gebhardt. Oft scheitere der Erhalt der Bausubstanz auch an den Bedürfnissen der Hausbesitzer – etwa, wenn sie mit niedrigen Deckenhöhen nicht zurechtkommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare