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Ein Stempel für gute Gespräche in Rodgau  

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Groß ist das Besucherinteresse an der 23. Bildungsmesse am Samstag, bei der 130 Aussteller dabei sind.

Wenn im Ortsteil Nieder-Roden die Wiesbadener Straße im Bereich Sporthalle und Heinrich-Böll-Schule abgesperrt ist und tausende Jugendliche unterwegs sind, dann hat die Rodgauer Bildungsmesse geöffnet. So auch am Samstag. Schon kurz nach Öffnung herrscht viel Trubel in Hallen, dem Zelt und dem Außenbereich. Einige der Jugendlichen tragen bereits InfoBroschüren in der Hand, andere haben Listen von ihren Klassenlehrern dabei, die sie nun abarbeiten.

„Eigentlich möchte ich studieren, aber unser Klassenlehrer empfahl, dass ich mir trotzdem verschiedene Ausbildungsberufe anschauen soll“, sagt Janina aus Seligenstadt. Murat aus Hanau hat sehr genaue Vorstellungen, ihn interessiert eine Ausbildung bei der Polizei. „Ich möchte vor allem wissen, wie die Einstellungsvoraussetzungen sind, die Sportprüfung soll ja ziemlich schwierig sein. Da fallen wohl viele durch“, sagt er

Rund 130 Unternehmen und Organisationen stellen sich auf der Messe vor. „Es gibt jedes Jahr 30 oder 40 mehr Interessenten, aber 130 ist sicher die Obergrenze für unsere Räumlichkeiten“, sagt Gerrit Kratz von der Messeorganisation. Tatsächlich herrscht dichtes Gedränge, vor manchen Ständen ist kaum ein Durchkommen.

„Wir sind das erste Mal dabei, die Messe ist ja riesig“, sagt Franziska Ziegelmann, Leiterin der Akademie am Klinikum Darmstadt. Zehn Ausbildungsberufe werden am Klinikum angeboten, rund 250 Auszubildende sind dort beschäftigt. „Auch an den Kliniken herrscht Mangel in Pflegeberufen, daher müssen wir um Nachwuchs werben“, sagt sie. Die „Rescue Anne“, eine Übungspuppe für Wiederbelebung, wirke wie ein Türöffner am Zelt des Klinikums. Immer wieder bleiben Schüler stehen und fragen nach. „Wir weisen auch auf Karrierechancen hin - auch eine Krankenschwester kann Karriere machen“, sagt Ziegelmann.

Mit Karrierechancen werben

Nach Karrierechancen und Bezahlung wird auch Polizeioberkommissar Michael Dippel von der Bundespolizei gefragt. „Dass ein Polizeimeister im mittleren Dienst bei uns so viel verdient wie ein Kommissar im gehobenen Dienst beim Land, das wissen die meisten nicht“, sagt er. Auch ob Abitur zu den Einstellungsvoraussetzungen gehört, werde er oft gefragt. „Beim mittleren Dienst ist Abitur keine Voraussetzung“, sagt er.

Seit 23 Jahren wird die Messe abgehalten, das Team entwickle sie stets weiter. „Die Aussteller erhalten Fragebögen und wir versuchen, auf Kritikpunkte einzugehen“, sagt Kratz. So sei im vergangenen Jahr der Wunsch nach besseren Gesprächen mit den jugendlichen aufgekommen. „Die können wir natürlich nur sehr begrenzt steuern, aber wir haben uns etwas einfallen lassen“, sagt er: So werden in diesem Jahr Stempel vergeben, wenn die Jugendlichen an einem Stand ein ausführliches Gespräch über Ausbildungsberuf, Anforderungen und Ziele geführt haben. „Wir haben Karten mit fünf Stempelfeldern ausgegeben – wer alle fünf voll hat, nimmt an einem Gewinnspiel teil, bei dem etwa IPads oder Drucker verlost werden.“

Dieser Anreiz lockt offenkundig: Immer wieder geben die Jugendlichen die Stempelkarten ab. „Alle Aussteller sind angewiesen, nicht einfach abzustempeln“, sagt Kratz. „Ich finde es eine gute Idee und auch nicht zu viel. Hier gibt es so viel Auswahl, fünf intensive Gesprächen bekommt man hin“, sagt Schülerin Julia. „Ok, das IPad ist natürlich ein Anreiz, aber es geht in erster Linie um unsere Zukunft“, wirft eine andere ein. An Auswahl mangele es nicht, sagen sie, fast sei das Angebot zu groß.

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