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Steinstoßen im Schottenrock

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Christian Schmitt wirft 25 Kilo in die Höhe.
Christian Schmitt wirft 25 Kilo in die Höhe. © Sascha Rheker

Gewichtwerfen und Baumstammwerfen: Bei den 32. Schottischen Hochlandspielen messen in Neu-Isenburg starke Männer ihre Kräfte.

Von Claudia Wenhardt-Bucci

Christian Schmitt konzentriert sich. Im Geist misst er die Strecke ab, über die er einen zwölf Kilo schweren Stein stoßen soll. Denn in Neu-Isenburg stehen die 32. Schottischen Hochlandspiele an – da messen sich die stärksten Männer im Steinstoßen, Gewicht- und Hammerwerfen, Gewichthochwerfen und in der Königsdisziplin Baumstammwerfen. Christian Schmitt tritt als Lokalmatador für den Athletik Sport Club (ASC) Neu-Isenburg an. Ein rot-karierter Schottenrock, dicke Wollstümpfe bis zu den Knien, braune Stiefel und ein rotes T-Shirt machen den Isenburger Highlander komplett.

Der 24-Jährige stemmt den schweren Stein mit dem rechten Arm hoch über den Kopf, den linken streckt er zum Ausgleich aus. Sein Blick ist fest auf die Wurfbahn gerichtet, Anlauf, Abstoß – 9,04 Meter sind geschafft, als das Geschoss mit einem dumpfen Ton im Gras aufkommt. Schmitt nickt zufrieden. „Der Stein kommt eigens aus Schottland“, sagt seine Schwester Katharina Schmitt, die gemeinsam mit Niels Mankel durch die Wettkämpfe führt.

Von Edinburgh nach Isenburg

Die schottischen Highland Games haben in der Familie Schmitt Tradition: Denn Großvater Helmut Hubeler brachte die Spiele nach Neu-Isenburg. Nach einem Wochenschau-Bericht im Jahr 1957 war er so begeistert, dass er mit vier Kameraden aus der Schwerathletikabteilung der Spielvereinigung 03 Neu-Isenburg bei den Highland Games in Edinburgh teilnahm – erfolgreich. Von 1969 an wurden die Hochlandspiele dann öffentlich in Neu-Isenburg ausgetragen, nach einer Pause zwischen 2000 und 2009 vor zwei Jahren erneut. Jetzt ist ein zweijähriger Rhythmus geplant.

Die Band „Clan-Piper“ spielt schottische Folklore, der Scotish Dance Club aus Frankfurt zeigt Volkstänze und es duftet nach Fish and Chips. Aber jetzt steht für Christian Schmitt die nächste Disziplin an: Gewichtwerfen. Er schwingt die 12,5 Kilo schwere Eisenkugel an einer Kette über seinem Kopf, dreht sich zweimal um die eigene Achse und schleudert die Kugel von sich weg. „Das war die schwierigste Disziplin“, sagt Schmitt. „Fürs Drehen hatte ich einfach die falschen Schuhe an“, lacht er. 14,55 Meter weit fliegt die Kugel, 23,70 Meter die des Titelverteidigers Gunnar Pfingsten aus dem baden-württembergischen Bad Wimpfen, der den Siegerpokal wieder errang. „Klar, wollen wir uns sportlich messen“, sagt Schmitt, der schließlich den vierten Platz belegt. „Aber es geht mehr um den Spaß.“

Und den hatte der 24-jährige Deutsche-, Europa-, und Hessenmeister im Rasenkraftsport ganz offensichtlich. „Schade nur, dass ich beim Baumstammwerfen nicht noch einen dritten Versuch bekommen habe“, sagt er. „Dann hätte es sicher geklappt.“

Wer einen Baumstamm werfen will, der braucht Kraft, Technik und Gleichgewichtssinn. Denn ein 4,5 Meter langer und rund 50 Kilo schwerer Baumstamm will gegen die Schulter gelehnt erst mal balanciert sein. Ihn beim Wurf dann auch noch einen Überschlag machen zu lassen – das ist schon spektakulär.

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