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Weg mit dem staubigen Image

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Von: Sigrid Aldehoff

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Die Stadtarchiv-Leiterin Claudia Lack (Mitte) und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Birgit Schaefer (rechts) und Christel Passinger.
Die Stadtarchiv-Leiterin Claudia Lack (Mitte) und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Birgit Schaefer (rechts) und Christel Passinger. © Renate Hoyer

Das Stadtarchiv in Neu-Isenburg besteht seit zehn Jahren als Servicestelle für Bürger. Nun wird das Jubiläum mit einer Retrospektive gefeiert.

Das Stadtarchiv in Neu-Isenburg besteht seit zehn Jahren als Servicestelle für Bürger. Nun wird das Jubiläum mit einer Retrospektive gefeiert.

Schüler suchen hier nach Informationen für Referate, Juristen recherchieren nach Erbberechtigten in Nachlassangelegenheiten, Bürger forschen nach Ergänzungen zu ihrem Familienstammbaum: Seit zehn Jahren hilft das Stadtarchiv mit Auskünften zur Geschichte Neu-Isenburgs weiter.

Die Anfänge der Sammlung von Dokumenten, Zeitungsbänden, Fotos und anderen Unterlagen reichen viel weiter zurück. Aber die Akten wurden früher noch im Rathaus gesammelt, „so richtig im Kellerarchiv“, erinnert sich Claudia Lack. Sie kam 1991 erstmals als Studentin im Rahmen eines Ferienjobs mit den alten Unterlagen in Berührung, kehrte dann nach dem Studienabschluss in Literaturwissenschaft wieder zurück und wollte eigentlich mit der Arbeit hier ihre Promotion finanzieren. „Das habe ich jetzt aufs dritte Lebensalter verschoben“, sagt sie und lächelt.

Inzwischen ist Lack Leiterin des Stadtarchivs. „Wir wollten weg vom Image des staubigen, langweiligen Kellerarchivs“, sagt sie. Mit hellen Räumen, einer Präsensbücherei, in der Dokumente und Unterlagen eingesehen werden können, die die Mitarbeiter auf Anfrage zusammenstellen. Und mit Ausstellungen, die auch Laufkundschaft bringen sollen, wollen die Mitarbeiter diesen Wandel verdeutlichen.

Hier gibt es jede Menge Informationen zur Familien- und Stadtgeschichte

Zu den Ausstellungsthemen gehörten bislang etwa die Motive der Flugblätter der Nazis, das Wirken der Jüdin und Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim, „50 Jahre Autokino“ in Gravenbruch sowie „Essen und Trinken in Neu-Isenburg von 1699 bis heute“. Das Stadtarchiv könne eine Brücke von der Vergangenheit in die heutige Zeit schlagen, sagt Lack. „Hier kann man viel über sich und seine Familie, aber auch die Stadt erfahren.“

Der damalige Erste Stadtrat und heutige Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) habe die Zukunft des Archives damals auch so gesehen. Er unterstützte den Umzug. Als Vorsitzender des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) warb er bei den Mitgliedern, ehrenamtlich mitzuarbeiten. Heidelore Kretschmann, Renate Koenen, Christel Passinger und Birgit Schäfer engagieren sich heute regelmäßig. „Alle Mitarbeiterinnen wurden an der Archivschule in Marburg für ihre Aufgabe geschult, und die Zusammenarbeit klappt ganz wunderbar“, so Lack.

Auch die Beschlüsse des Stadtparlaments werden gesammelt

Allein in 2010 bearbeitete das Team rund 200 Rechercheanfragen, in den vergangenen zehn Jahren nutzten 2500 Besucher das Stadtarchiv, nicht eingerechnet sind die Schulklassen, die hier vor allem zur Geschichte Neu-Isenburgs arbeiten.

Gesammelt werden Lokalzeitungen und Ausschnitte zu städtischen Themen, auch Stadtverordnetenbeschlüsse, Pläne, Protokolle und Schmankerl aus der Ortsgeschichte. Ausgewertet werden auch Schenkungen von Bürgern zum Thema Stadtgeschichte. „Viele Leute haben Angst, dass nichts mehr von ihnen bleibt und bieten uns die alten Dokumente an“, sagt Lack. „Wir kommen auch gerne nach Hause und sichten, was für uns verwertbar ist.“

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