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Energieversorgung kann ein lukratives Geschäft sein.

Kommunale Energiepolitik

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Die Städte Rodgau und Dietzenbach prüfen den Einstieg in Gas- und Strommarkt

Die Städte Dietzenbach und Rodgau arbeiten unabhängig voneinander an der Gründung von Gesellschaften, in denen sie gemeinsam mit regionalen Energieversorgern das Strom- und Gasnetz betreiben könnten. Ein schlagendes Argument ist für die Kommunen unter anderem der Blick in den Westkreis. Dort verdienen die Stadtwerke Dreieich, Neu-Isenburg und Langen mit dem Vertrieb von Strom und Gas „ordentlich Geld“, wie es der technische Leiter der Dietzenbacher städtischen Betriebe Michael Würz formuliert. 2014 läuft der mit Mainova geschlossene Konzessionsvertrag der Kreisstadt für das Gas aus, beim Strom endet der Vertrag mit der Energieversorgung Offenbach Ende 2017. In einer Partnerschaft könnte die Stadt nach Ansicht von Würz etwa den Vertrieb übernehmen.

Kraftwerk mit der EVO

Gemeinsam mit der Energieversorgung Offenbach (EVO) wollen die Stadtwerke auch selbst Strom und Wärme produzieren. Ursprünglich sollte das geplante Biomasseheizkraftwerk bereits Ende dieses Jahres Strom und Wärme produzieren. Doch das zunächst beschlossene Projekt, nach dem Pellets verfeuert werden sollten, musste wegen einer Änderung bei der Einspeisevergütung überarbeitet werden. Ein neues Konzept hat die EVO der Stadt bereits vorgelegt. Nach Auskunft von Würz würde das Kraftwerk danach etwas kleiner ausfallen und erst im Frühjahr 2013 fertig.

Noch dieses Jahr könnte nach Vorstellungen der Stadtwerke zudem eine große Photovoltaikanlage auf einer bisher nicht vermarktbaren Gewerbefläche ans Netz gehen. Über all die Projekte entscheidet freilich das Stadtparlament.

Auch die Stadt Rodgau stellt die Weichen für eine Teilkommunalisierung der Gas- und Stromversorgung. So hat der Magistrat jetzt beschlossen, den Gaskonzessionsvertrag für die Stadtteile Nieder-Roden und Dudenhofen an die Maingau Energie zu vergeben, die bereits das Gas für die nördlichen Stadtteile liefert. Der Vertrag tritt, sofern das Stadtparlament zustimmt, zur Jahresmitte in Kraft und läuft 20 Jahre. Eine Sonderkündigung ist nach neun Jahren möglich. Dass bald das gesamte Gasnetz in einer Hand sei, biete der Stadt die Möglichkeit zur Bildung einer Netzgesellschaft. Aus historischen Gründen war das Gasnetz bisher zweigeteilt. Für den Süden ist noch der Darmstädter Energiekonzern HSE zuständig.

Mehr Mitsprache

Dasselbe Ziel verfolgt die Stadt beim Strom. Hier läuft der Konzessionsvertrag mit der Energieversorgung Offenbach im Jahr 2019 aus, der Vertrag mit der HSE, die nur den Stadtteil Nieder-Roden beliefert, im Jahr 2025. Erste Gespräche mit der EVO über eine Zusammenarbeit habe er bereits geführt, diese werde man nun intensivieren, kündigt Hoffmann an.

Für die Stadt sei die Gründung einer Netzgesellschaft nicht nur finanziell von Interesse, sie könne so auch Entscheidungen mit beeinflussen, sagt Hoffmann. Wer welche Aufgaben übernehmen könnte in den Netzgesellschaften, müsse noch verhandelt werden. Er gehe davon aus, dass die Gründung innerhalb der kommenden fünf Jahre entscheidungsreif wird.

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