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Stadt bereitet Leinenpflicht vor

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Von: Christoph Manus

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Wie sich Hundebsitzer in Wald und Feld verhalten sollten, steht nun auf 34 in Dietzenbach aufgestellten Tafeln.
Wie sich Hundebsitzer in Wald und Feld verhalten sollten, steht nun auf 34 in Dietzenbach aufgestellten Tafeln. © Rolf Oeser

Die Zahl der Wildunfälle nimmt in Dietzenbach zu. Jäger appellieren an Hundebesitzer, ihre Vierbeiner im Stadtwald nicht frei laufen zu lassen.

Nachts um 3 Uhr klingelt das Telefon, die Polizei ist dran. Wieder ist ein Tier totgefahren worden. Christian Peter muss dann raus, das getötete Wild entsorgen. Und das immer öfter. 30 bis 50 Tiere würden allein auf der Offenthaler Straße pro Jahr überfahren, berichtet der Jagdpächter – Wildschweine, Rehe, Hirsche. Das sei für die Autofahrer lebensgefährlich, sagt Peter, der den Gästen seiner Gaststätte Korkenzieher gern Wild aus dem eigenen Pachtgebiet serviert. Etwas entspannt habe sich die Lage, seitdem die Stadt Spazierwege in Nähe der Straße gesperrt hat.

Die hohe Zahl von Wildunfällen in Dietzenbach liegt nach Ansicht von Forstamtsleiter Christian Münch zum einen am dichten Straßennetz im Rhein-Main-Gebiet. Eine Rolle spielt aber auch die Unvernunft vieler Spaziergänger. „Gefährlich wird es, wenn Leute querfeldein laufen“, sagt er. Ein „Super-Gau“ sei es, wenn sie ihre Hunde freilaufen lassen. Damit gefährdeten die Besitzer auch das Wohl ihres eigenen Hundes, etwa wenn dieser einem fliehenden Tier nachsetzt und dabei die Straße nach Offenthal überquert. Tiere würden von den Hunden auf die Straße gehetzt, einige aber auch von Hunden gerissen. Drei bis zehn Tiere kämen bei ihm im Quartier auf diese Weise zu Tode, sagt Peter. Und die Dunkelziffer sei hoch, ergänzt Forstamtsleiter Münch.

Hundetourismus entwickelt sich

Nicht nur Dietzenbacher ließen ihre Hunde im Stadtwald laufen, sagt Friedel Deller, zweiter Vorsitzender der Jagdgenossenschaft. Ein Grund: Überall um die Stadt herum gebe es eine Leinenpflicht, nur in Dietzenbach nicht. „Da entwickelt sich ein Hundetourismus.“

Spaziergänger und besonders Hundebesitzer für die Gefahr sensibilisieren will die Jagdgenossenschaft nun mit 34 Schildern, die an den Wald- und Feld-Rändern der Dietzenbacher Gemarkung aufgestellt wurden. „Hunde müssen sich in Feld und Wald innerhalb des Einwirkungsbereichs ihres Besitzers befinden“, ist darauf zu lesen. Und: „Wer auf den Wegen bleibt, stört die Tiere und Pflanzen von Feld und Wald am wenigsten.“

Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) lässt zudem die Einführung einer Leinenpflicht vorbereiten. Um eine solche erlassen zu können, müsse die Stadt zunächst dokumentieren, dass sehr viel Wild gerissen oder überfahren wird. Sie müsste zudem so genannte Positiv-Gebiete ausweisen, Flächen, in denen Hunde freilaufen dürfen.

Trotz dieser rechtlicher Hürden will Rogg die Leinenpflicht angehen. „Wir werden es probieren“, sagte er gestern bei der Vorstellung der neuen Schilder. Nächstes Jahr könne ein Satzungsentwurf in das Stadtparlament eingebracht werden, sagte er. Entscheiden müssten die Stadtverordneten.

Rogg warnt freilich davor, zu viel Hoffnung in das Verbot, die Hunde freilaufen zu lassen, zu setzen. „Die Unvernünftigen fangen Sie mit der Leinenpflicht auch nicht ein.“

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