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Spiel, Sex und Speed

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Von: Christoph Manus

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Spielautomat
Spielautomat © ddp

Gleich 14 illegale Zockerbuden hat die Polizei in der Dietzenbacher Innenstadt ausgehoben - inklusive Drogen und Prostituierten. Die Stadt will jetzt dagegenhalten: Mit legalen Spielhallen.

Oft nur einen Getränkeautomaten, dafür aber jede Menge Geldspielautomaten und Internet-Terminals für Sportwetten haben Ordnungspolizei, Stadtbrandinspektor und Bauaufsicht bei drei gemeinsamen Kontrollen Ende des vergangenen Jahres in Räumen in der Dietzenbacher Altstadt vorgefunden, die als Gaststätten angemeldet waren. Das teilte die Stadt erst jetzt mit.

Die Polizei, die die Behörden bei einem der Termine unterstützte, beschlagnahmte in den 14 angeblichen Gaststätten – zum Teil früheren Garagen – zudem Drogen. Sie nahm mit Haftbefehl gesuchte Personen fest. Und sie traf osteuropäische Frauen an, die offenbar der Prostitution nachgehen. Auch stellten die Behörden Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz fest. Das Personal sei häufig scheinselbstständig. Obwohl Lokale je nur höchstens drei Geldspielautomaten aufhängen dürfen, fanden die Kontrolleure in mancher der Einrichtungen, die bis zu 23 Stunden am Tag geöffnet sein dürfen, sogar zehn dieser Geräte.

Mancher Betreiber der Spielhölle hatte, wie Markus Hockling, neuer Fachbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Dietzenbacher Stadtverwaltung, berichtet, die Geräte einfach mit Aufklebern versehen. Darauf stand: „Ich bin ein Unterhaltungsspielgerät.“ Denn eine Begrenzung für diese Geräte gibt es nicht. Dabei war laut Hockling klar zu erkennen, dass die Automaten einen Geldeinwerfschlitz haben und eine Risiko-Taste. 43 von 82 gefundenen Automaten habe man versiegelt. Einige Betreiber hätten die Siegel allerdings gebrochen. Die Stadt hat deshalb Strafanzeige erstattet.

Nur sieben der Daddel-Automaten waren beim Finanzamt angemeldet. Solch ein Automat bringe den Betreiber schon mal 2000 Euro im Monat, sagt Hockling. Die Bauaufsicht des Kreises hat 14 Verfahren eingeleitet. In einer, inzwischen geschlossenen Spielhölle sei der Notausgang zugemauert gewesen. Eine andere war als Massage- und Gymnastiksalon genehmigt. „Wir haben die Automatenlandschaft hier in Dietzenbach ein wenig durcheinandergewirbelt“, sagt Hockling.

Weitere gemeinsame Kontrollen sind bereits geplant. Illusionen über die Wirkung macht sich der Fachbereichsleiter aber nicht. Für gerade einmal 22 Euro könne schließlich jeder ein Gewerbe anmelden und eine erlaubnisfreie Gaststätte betreiben.

Diese Rechtslage nutzten die Betreiber als Schlupfloch, so Hockling. Bei Problemen übernehme oft ein Verwandter die „Gaststätte“. „Und das Spiel geht von vorne los.“ Deshalb versuche die Stadt immer stärker, die Eigentümer verantwortlich zu machen.

Vor allem werden Stadt und Polizei nach eigenen Angaben auf Spielhöllen aufmerksam, weil sich Nachbarn über Ruhestörung beschweren. Es seien aber auch schon Frauen von Spielern ins Büro gekommen, berichtet Hockling. „Bitte machen Sie den Laden dicht“, habe eine gesagt. Ihr Mann verzocke das ganze Geld.

Hoffnung, die nicht genehmigten Spielhallen aus der Altstadt zu bekommen, setzt die Stadt in erster Linie in die Ansiedlung von regulären Spielhallen im Gewerbegebiet. Diese könnten den vermeintlichen Gaststätten die Spieler abziehen.

Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) geht davon aus, dass ein solches Angebot noch dieses Jahr möglich sein könne.

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