+
Der Blick auf die Alberus-Kirche gilt als malerisch.

Dreieich

Satzung soll Altstadt bewahren

Der Verein Freunde Sprendlingens fordert den Magistrat zum Handeln auf: Eine Gestaltungssatzung für die Altstadt müsse her, die das charakteristische Erscheinungsbild des alten Ortskerns bewahrt.

Von Monica Bielesch

Der Vorstand der Freunde Sprendlingens setzt sich für eine Gestaltungssatzung für die Altstadt ein. Dass auf dem Grundstück Tempelstraße 4 das Gebäude abgerissen und mit einem Architektenhaus neu bebaut werden soll, habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagt Wilhelm Ott vom Vorstand der Freunde Sprendlingens. Dem Verein für Heimatkunde liegt die Bewahrung des Charakters der Altstadt am Herzen. Darum haben sich Ott und seine Vorstandskollegen Winfried Ossner und Willi Menzner nun in einem Brief an Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) und den Magistrat für eine Gestaltungssatzung ausgesprochen.

Eine solche Satzung könnte festlegen, dass das charakteristische, historische Erscheinungsbild des alten Ortskerns zumindest bewahrt, wenn nicht sogar wiederhergestellt wird. In ihrem Brief fordern die Freunde die Stadt dazu auf, die Diskussion mit den Bürgern über eine solche Gestaltungssatzung wieder aufzunehmen.

Bereits 1980 schlugen sie in einem Vorentwurf vor, dass bei Neu- und Umbauten die Fassadengestaltung an das Ortsbild oder an die vorherrschende Bauweise in der Nachbarschaft anzugleichen sei. Auf Initiative des Heimatvereins erarbeitete sogar die Stadt 1985 einen eigenen Entwurf für eine Gestaltungssatzung zum Schutze der Altstadt.

Leider sei dieser Ansatz damals nicht weiterverfolgt worden, bedauert Ott. „Aus uns nicht mehr nachzuvollziehenden Gründen“, heißt es im Brief des Vereins. Bürgermeister Zimmer kennt diesen alten Entwurf gar nicht. Er wollte sich auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau zum Brief der Freunde Sprendlingens nicht äußern. „Dazu kann ich keine Stellungnahme abgeben“, so Zimmer. Er müsse sich erst mit dem Thema beschäftigen und sich erkundigen, was es mit der damaligen Gestaltungssatzung auf sich gehabt habe. Gestern sollte das Anliegen der Freunde Sprendlingens Thema in der Magistratssitzung sein. „Aber am Ende entscheidet die Politik darüber“, so Zimmer.

Das Bauprojekt an der Tempelstraße sei ihm bekannt. „Das Genehmigungsverfahren habe ich am Rande mitbekommen.“ Er sieht keine Probleme, da das Verfahren mit dem Baurecht vereinbar sei. Bisher sei eine Gestaltungssatzung für die Altstadt seines Wissens nach „kein Thema“ gewesen. Im Hinblick auf den offenen Brief der Freunde Sprendlingens betonte er grundsätzlich seine Gesprächsbereitschaft.

Das Gespräch wollen auch Ott und seine Mitstreiter. Darum suchten sie Kontakt zum Bauträger des Projekts in der Tempelstraße. „Wir wollen das Vorhaben nicht verhindern“, betont Ott. Aber sie wollten dafür werben, zumindest die Dachform und die Fassade der vorherrschenden Bauweise anzupassen. Das Areal ist den Freunden wichtig, weil es schräg gegenüber dem denkmalgeschützten Pfarrhaus liegt und an den Kirchgarten der Erasmus-Alberus-Kirche grenzt. Der Blick vom Hengstbach auf die Kirche, auch bekannt als „Sprendlinger Malerwinkel“, sei im Bewusstsein der Bürger fest verankert, heißt es im Brief.

Nach Angaben des Vereins drohte der Bauträger, die Firma Plan B, mit Regressforderungen, falls sich die Freunde im Fall der Tempelstraße 4 weiterhin für eine der historischen Umgebung angepasste Bauweise engagieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare