Rödermark

Niemand fährt auf den Stadtbus ab

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Der Stadtbustrieb würde Rödermark nach einer Kalkulation des Dreieicher Büros IGDB jährlich 154.000 Euro Zuschuss kosten. „Die Stadt kann sich das nicht leisten“, sagt CDU-Fraktionschef Michael Gensert.

In Rödermark zeichnet sich eine breite Mehrheit gegen die Einführung eines Stadtbusses ab, wie es ihn in sechs Städten im Kreis Offenbach, etwa in Dietzenbach, Dreieich und Rodgau gibt. Die Präsentation eines möglichen Konzepts stieß bei den Fraktionen im Stadtparlament nicht auf Begeisterung.

Danach würden Busse auf zwei Linien fahren. Eine würde die Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden über Messenhausen, das Fachmarktzentrum und das Seewaldgebiet in Urberach mit dem dortigen Bahnhof und dem Rathaus verbinden. Mit der zweiten Buslinie könnten Fahrgäste von der Gesamtschule zum Ober-Röder Bahnhof und weiter in die Siedlung Breidert gelangen.

Bisher verbinden nur die Kreisbuslinie 95 und die Dreieichbahn die größten Stadtteile Ober-Roden und Urberach. Das Anruf-Sammel-Taxi wurde wegen mangelnder Rentabilität eingestellt. Der Stadtbustrieb mit Midi-Bussen würde die Stadt nach einer Kalkulation des Dreieicher Büros IGDB Verkehrsplanung und Beratung jährlich 154.000 Euro Zuschuss kosten. „Die Stadt kann sich das nicht leisten“, sagt CDU-Fraktionschef Michael Gensert. Er sieht zudem „keinen dringenden Bedarf“ und verweist etwa auf die Kreisbuslinie durch Rödermark. Unzufrieden sei seine Fraktion auch mit der Darstellung der Pläne. So seien die Finanzierungsgrundlagen für die angeführten Varianten unklar.

Defizit verhindert Ausbau

„In der jetzigen finanziellen Lage verbietet sich leider eine inhaltliche Diskussion“, sagt der Vorsitzender der Freien Wähler-Gemeinschaft, Ingolf Heiß. Er bezweifelt allerdings auch, dass es beim veranschlagten Defizit bleibt und vermisst eine echte Bedarfsermittlung. Er schlägt vor, zunächst die Fuß- und Radwege zu verbessern. „Schöne Idee – aber angesichts eines Defizits von elf Millionen Euro müssen wir jeden Cent viermal umdrehen“, so auch FDP-Fraktionschef Tobias Kruger. „Wir geben zurzeit Geld aus, das wir nicht haben.“

Auch Andere-Liste-Chef Eckhard von der Lühe ist skeptisch. Das Konzept sei nicht ausgereift und schlüssig, kritisiert er. Die Frage sei zudem, ob sich die Stadt das leisten kann. Er hofft darauf, dass man noch eine vernünftige Alternative findet – und verweist etwa auf Orte in Nordrhein-Westfalen, wo ehrenamtliche Kleinbusfahrer unterwegs seien.

Grundsätzlich wünschenswert nennt Bürgermeister Roland Kern (AL) den Stadtbus, auch als positiven Standortfaktor. Wünsche nach einer besseren Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gebe es etwa im Breidert, am Taubhaus und im Seewaldgebiet. „Aber es muss sich schon rechnen“, schränkt er ein.

Am positivsten bewertet noch die SPD, die den Prüfantrag zum Stadtbus stellte, die Pläne. Auch Fraktionschef Armin Lauer sieht die Stadt im Spagat zwischen Wünschenswertem und Finanzierbarem. Er warnt aber vor einer hektischen Entscheidung. In diese müsse einfließen, wie der Schulbusbetrieb, für den die Stadt bislang nicht zuständig ist, künftig finanziert wird.

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