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In der Handwerksstraße im Heimatmuseum werden typische Berufe der Region, hier die Lederwerkstatt, vorgestellt.

Dietzenbach

Museum kämpft ums Überleben

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Der Heimatverein fürchtet hohe Mieten. Ein SPD-Politiker ist verärgert über den Aufnahmestopp für Neumitglieder.

Lange schon wird in Dietzenbach über Gebühren für Vereine für die Nutzung städtischer Immobilien diskutiert. Nach über fünf Jahren Debatte soll in der kommenden Woche in der Stadtverordnetenversammlung eine Gebührensatzung der Koalition aus CDU, SPD und WIR-BfD verabschiedet werden.

Doch der Heimat- und Geschichtsverein blickt mit Sorge auf die Abstimmung am 23. März. Der Grund: Die komplette Ausstellungsfläche des von ihm betriebenen Heimatmuseum wurde berechnet, selbst mit der von den Stadtverordneten angekündigten 90-prozentigen Mietermäßigung hätte der Verein monatliche Kosten von rund 365 Euro zu stemmen.

„Existenziell bedrohlich“ seien die Kosten, sagt Vorsitzender Hans-Erich Scholze; für das Museum würden sie das Aus bedeuten. „Ein Museum zu unterhalten, ist teuer, unser gesamtes Geld würde in die Miete fließen, für die Museumsarbeit bliebe nichts mehr übrig“, sagt er.

Rund 230 Mitglieder zählt der Trägerverein, knapp 4000 Euro stünden pro Jahr an Mitgliedsbeiträgen zur Verfügung. „Das Geld fließt in die Dauer- und in Sonderausstellungen; zudem müssen für Anschaffungen Rücklagen gebildet werden“, sagt Scholze. „Als wir kürzlich neue Strahler für Kunstausstellungen angeschafft haben kostete das rund 30.000 Euro – der Hessische Museumsverband zahlt zwar einen großen Teil, aber wir müssen auch rund 40 Prozent Eigenanteil leisten.“ Mit einer monatlichen Miete von über 360 Euro wäre das Museum nicht mehr handlungsfähig.

Mit großer Sorge beobachte sie die Entwicklung in Dietzenbach, sagt Museumsberaterin Heike Hinzel vom Hessischen Museumsverband. „Das Museum und die Ausstellung sind in einem sehr guten Zustand“, sagt sie, die pädagogische Arbeit, die dort geleistet werde, sei beispielhaft. Gerade für Kinder und Jugendliche sei ein niedrigschwelliges Angebot wie das in Dietzenbach wichtig.

Bis zu 100 Kitagruppen und Schulklassen werden pro Jahr durch das Museum geführt, die Gruppen reisen von Aschaffenburg bis Darmstadt an. Dank zeitgemäßer Ausstellungsdidaktik und der Arbeit der von der Stadt bezahlten Museumsleiterin Maria Polatowski-Ruprycht werde hier ein bedeutender Beitrag für die Stadtgesellschaft geleistet.

„Es wäre ein Schlag ins Gesicht aller Ehrenamtlichen, wenn der kleine Etat des Museums komplett für die Miete genutzt würde“, sagt sie. Rund die Hälfte der 400 Museen im Verband seien vereinsgetragen, doch nur in Dietzenbach gebe es diese existenzbedrohende Situation.

Der ungewissen Zukunft wegen habe sich der Verein für einen Aufnahmestopp für Neumitglieder ausgesprochen, sagt Scholze. Ein Schritt, der Dietzenbachs SPD-Chef Rainer Engelhardt erzürnt. Denn einige Vorstandsmitglieder wollten dem Verein beitreten, um ihn durch ihre Beiträge zu unterstützen. Mit Spekulationen, dass wohl eine „feindliche Übernahme durch die Sozialdemokratie“ befürchtet werde, hat Engelhardt seinem Ärger am Wochenende in einer Mitteilung Luft gemacht.

Er wolle die SPD-Mitteilung nicht kommentieren, sagt Scholze der FR. „Nur so viel: Mit Parteizugehörigkeit hat der Aufnahmestopp nichts zu tun, es gibt viele SPD-Mitglieder im Heimatverein.“ Der Stopp sei sinnvoll, da erst die Zukunft des Vereins gesichert werden müsse. „Die Mitgliedsbeiträge müssen in unsere Arbeit fließen und nicht für die Miete draufgehen.“

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