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Aktion gegen Fremdenhass.

Integration

Migrantenquote unnötig

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Das Integrationsbüro des Kreises Offenbach zieht eine positive Bilanz seiner zehnjährigen Arbeit. Eine klare Mehrheit an Auszubildenden aus Einwandererfamilien verschiebt den Anteil an städtischen Angestellten.

Menschen mit Migrationshintergrund bevorzugt bei der Kreisverwaltung einzustellen, hält die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) nicht für nötig. Sie verwies jetzt bei der Vorstellung einer Zehn-Jahres-Bilanz des Integrationsbüros auf den hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund unter den Auszubildenden des Kreises. Im derzeitigen Jahrgang hätten fünf von neun Auszubildenden ausländische Wurzeln. Von den Bewerbern hätten zwei Drittel Migrationshintergrund gehabt.

Die Leiterin des Integrationsbüros, Selver Erol, berichtete, die Quote von Migranten in der Kreisverwaltung habe vor zwei Jahren schätzungsweise bei zwölf Prozent gelegen. Deren Anteil steige aber wegen der höheren Quote unter den Auszubildenden.

Beratung für andere Kreise

In Sachen Integration sei auch im Kreis Offenbach noch viel zu tun, aber auch einiges erreicht worden, sagt Jäger. Sie habe den Eindruck, dass das Miteinander zwischen den Menschen deutscher und nicht deutscher Herkunft selbstverständlicher geworden sei. Der Kreis lege heute auch einen großen Wert auf die interkulturelle Kompetenz der Beschäftigten, sagte Jäger.

Die Situation sei besser geworden – auch in Dietzenbach, sagte Erol. Dort klappe das Zusammenleben besser als das öffentlich wahrgenommen werde. Dem Integrationsbüro sei es gelungen, kreisweit ein Netzwerk aufzubauen und Begegnungen zu schaffen. Zum Erfolg der Arbeit trage bei, dass es inzwischen in sechs der 13 Kommunen im Kreis Offenbach Integrationsstellen gebe, so Erol.

Jäger hob hervor, dass der Kreis Offenbach als erster in Hessen ein Integrationsbüro gegründet habe – „lange vor der Zeit, als man über das Thema in Bund und Land verstärkt nachgedacht hat“. Ausschlaggebend sei gewesen, dass viele international agierende Firmen im Kreis ansässig seien und der Anteil an Migranten vergleichsweise hoch sei.

Längst berate der Kreis auch andere Gebietskörperschaften in Sachen Integration. Realisiert habe das Integrationsbüro mit verschiedenen Partnern etwa Lotsenprojekte, in denen Migranten anderen beim Thema Finanzen, Gesundheit oder Bildung unterstützten. Auf große Resonanz sei der Ansatz gestoßen, Eltern in die Kindergartenarbeit einzubinden. Das sei der Grundgedanke des Projekts Familienwerkstadt, der eine interkulturelle Öffnung von Einrichtungen und deren Ausbau zu Familienzentren zum Ziel habe.

Keine Kürzungen

Das Projekt „Vereine aktiv für Integration“ habe dazu beigetragen, Bürgern mit Migrationshintergrund den Zugang zu erleichtern. Jäger verwies darüber hinaus auf die Kurse „Mama lernt Deutsch“ oder die Weiterbildungsmöglichkeit zu einem Multiplikator für Sprachförderung.

Kämmerer und Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) versprach, bei dem Integrationsbüro (Kosten: 430.000 Euro im Jahr) nicht den Rotstift anzusetzen. Bei diesen Ausgaben handele es sich nur finanzpolitisch um freiwillige; gesellschaftlich sei die Arbeit aber eine Pflichtausgabe. „Es wäre ein kurzsichtiger Schritt, die Mittel zu streichen.“

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