+
In einem Training sollen die Jugendlichen herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt.

Kreis Offenbach

Letzte Chance auf eine Lehrstelle

  • schließen

Eine "Nachvermittlungsoffensive" versucht die Pro Arbeit. Sie will 120 Jugendlichen noch zu einer Ausbildung verhelfen. Die Teilnahme an dem Kurs ist verpflichtend.

Der Kreis Offenbach will 120 Schulabgänger, die bisher keine berufliche Perspektive haben, bis Ende November noch in eine Ausbildung vermitteln. Dazu hat die Pro Arbeit die meist 15- und 16-Jährigen, deren Eltern Hartz IV beziehen, erstmals zu einer „Nachvermittlungsoffensive“ nach Dietzenbach eingeladen. Dort sollen sie – unterstützt von Trainern des Internationalen Bunds und Fallmanagern des kommunalen Jobcenters – in Einzel-Coachings herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt, Bewerbungen schreiben und Vorstellungsgespräche üben. Das Training erfolgt werktäglich von 8.30 bis 13.30 Uhr, Teilnahme ist Pflicht.

Freie Stellen gebe es genügend – mehr als Bewerber, sagte Brunhild Constanze Kent, Vorstand der Pro Arbeit. Das Handwerk, aber auch die Industrie- und Handelskammer meldeten offene Stellen. „Daran scheitert es nicht.“

Der Kreis müsse alles tun, um den Jugendlichen, die bereits kurz nach der Schule den Anschluss zu verlieren drohten, zu helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen, sagte der Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD). „Wir müssen ihnen Alternativen aufzeigen und sie aus dem gesellschaftlichen Aus herausholen.“ Sonst laufe man Gefahr, sie an eine „lebenslange Sozialkarriere“ zu verlieren.

Für die Zukunft der Pro Arbeit hat indes der Kreisausschuss jetzt die Weichen gestellt. Er hat, wie Müller berichtete, beschlossen, dass der Kreis weiter Optionskommunen bleiben soll. Das heißt, dass der Kreis die Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in Eigenregie übernimmt. Der Kreistag muss noch zustimmen, Müller rechnet allerdings mit einer Mehrheit. Die Pro Arbeit will zudem künftig zielgerichteter beraten. Das Fallmanagement habe sich lange Zeit auf die Hemmnisse der Kunden konzentriert, sagte Kent gestern. Der einzelne Langzeitarbeitslose sei vor allem als versorgungs- oder behandlungsbedürftig erschienen. Dessen Handlungs- und Entscheidungskompetenzen würden bislang nicht genutzt. Ziel sei es, künftig die Stärken zu stärken, statt Schwächen auszubügeln.

Bisher seien die Kunden nach dem Grad der Vermittelbarkeit eingeteilt worden. Die Frage laute nun: „Was kann ein Menschen – und nicht, was kann er nicht?“, sagte Müller. Oft seien Schwächen, so Kent, zudem für die Vermittlung in den Arbeitsmarkt gar nicht relevant. Ein etwas muffeliger Mensch könne trotzdem ein guter Beschäftigter in einem Archiv sein. Künftig sollen die Mitarbeiter Zielvereinbarung mit ihren Klienten vereinbaren und ihnen helfen, ihre Talente zu stärken. Dieser zielorientierte Ansatz sei im europaweiten Trend. Auch die Bundesagentur für Arbeit gehe in diese Richtung. Ein Grund für den neuen Ansatz sei aber auch, dass die Pro Arbeit, weil erhebliche Einsparungen drohten, noch effizienter arbeiten müsse.

Dem neuen Ansatz soll auch eine Neuorganisation der Abteilungen Rechnung tragen. Das bisherige Regionalprinzip wird zugunsten einer Einteilung nach Altersstufen aufgegeben. Für die Kunden der Pro Arbeit heißt das, dass sie einen neuen Fallmanager erhalten könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare