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Für den Neu-Isenburger Bürgermeister Oliver Quilling (CDU) war der Sonntagabend eine Zitterpartie. Am Ende verfehlte er die absolute Mehrheit bei der Landratswahl nur knapp.

Landratswahl im Kreis Offenbach

Das Auf und Ab kostet Nerven

Eine Zeit lang sah es am Sonntagabend so aus, als würde Oliver Quilling (CDU) auf Anhieb Landrat werden. Nun wird die Zitterpartie doch erst mit der Stichwahl am 11. Oktober beendet.

Von Achim Ritz

Für Oliver Quilling war es Nerven zerreißend. Ständig diese Schwankungen. Anfangs noch mit zwei Prozent unter der alles entscheidenden Mehrheitsmarke von 50 Prozent, dann ging es am Sonntagabend wieder bergauf. Mal ein kurzes Lächeln, mal wieder Falten auf der Stirn. Hoffen, bangen, abwarten.

Das Ergebnis stand für Quilling über eine Stunde lang bei knapp 51 Prozent. Doch am Ende gegen 23 Uhr, als alle 296 Wahlbezirke in den 13 Kommunen ausgezählt waren, sank der Wert wieder auf 49,7 Prozent. Stichwahl 11. Oktober. Dann wird die Landratswahl zwischen Neu-Isenburgs Bürgermeister Oliver Quilling (CDU) und dem Kreisbeigeordneten Carsten Müller (SPD) endgültig entschieden. Es bleibt spannend.

Beide Favoriten sagten gestern, sie seien mit dem Ergebnis zufrieden. Dieses gute Gefühl hat auch der FDP-Kandidat Daniell Bastian aus Seligenstadt, der bei der Direktwahl 14,5 Prozent erreichte und aus dem Rennen ist. Er hatte sich zehn plus X erhofft und ist glücklich - auch wegen des Ausgangs der Bundestagswahl. Gelb leuchtet ganz stark.

Der 37-jährige Carsten Müller spürt, dass er kurz vor einem großen politischen Ziel steht und der Posten des Landrates in greifbare Nähe rückt ist. Doch der Kreisbeigeordnete bleibt realistisch. "Quilling ist der Favorit." Und er zieht den einen für seine Motivation so wichtigen Satz nach "Jetzt ist alles möglich."

Gestern morgen trafen sich die Protagonisten der SPD im Kreis kurz im Bürgerhaus Weiskirchen zum Wundenlecken - Absturz bei der Bundestagswahl - und zum Blumen überreichen - Ruth Disser ist in Mainhausen erneut zur Bürgermeisterin gewählt worden und Uta Zapf hat es doch noch über die Landesliste in den Bundestags geschafft. "Wir müssen von der kommunalen Basis her neu anfangen", sagte der Kreis-Vorsitzender Carsten Müller nach dem Desaster auf Bundesebene und kündigte an, dass die SPD im Kreis in einem Papier für den nächsten Parteitag einen Weg aus der Misere skizzieren werde.

Zurück zur Zukunft im Kreishaus, wo Müller an die Spitze will. Für den Ausgang der Stichwahl wagt er keine Prognose. Er will jetzt detailliert analysieren, wo er stark und schwach war und wo Quilling seine Stimmen erhalten hat. Heute geht der Wahlkampf mit Hausbesuchen weiter, neue Plakate sind in Arbeit.

Oliver Quilling wirkt etwas entspannter. Seine Ergebnisse in den Kommunen geben ihm Selbstbewusstsein. Doch er will erst gar nicht an seine Erfolge bei den Bürgermeisterwahlen in Neu-Isenburg denken, wo er 64, 79 und 83 Prozent holte. "Das war was ganz anders", sagt er. In seiner Heimatstadt Neu-Isenburg erhielt er am Sonntag selbstverständlich sein bestes Ergebnis: 70,7 Prozent.

Ganz anders Carsten Müller. Er konnte, dort wo er aufwuchs und wohnt nicht so dick auftrumpfen. In der CDU-Hochburg Heusenstamm freut er sich auch schon über die erreichten 39 Prozent. Die meisten Wähler stimmten in den kleinsten Kommunen des Kreises für den Kreisbeigeordneten. In Egelsbach konnte Müller mit 43,3 Prozent sein bestes Ergebnis einfahren, in Mainhausen 41 Prozent. Das sind die einzigen beiden Kommunen, in denen er vor Oliver Quilling lag.

Der 44-Jährige holte außer in Neu-Isenburg auch in Dreieich (52,6), Heusenstamm (50) und Rödermark (50,7) so viel Prozent und Stimmen wie er am 11. Oktober gern haben möchte - mehr als die Hälfte der Stimmen.

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