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Schachprojekt an der Albert-Einstein-Schule

Langen

Ein kluger Schachzug

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Klüger werden durch das Spiel der Könige? An der Einstein-Schule in Langen wird das Verhältnis von Spiel und Lernkompetenz erforscht.

Beinharte Konkurrenz wächst für die Schachspieler in Langen heran: „Ich wollte Schach lernen, damit ich meinen Cousin besiegen kann“, sagt der elfjährige Jonas und auch seine Mitschülerin Kim will ihren großen Cousin matt setzen. Andere Klassenkameraden haben da eher den Bruder oder die Schwester als künftige Verlierer im Blick.

Anuschka ist ihrem etwas ambitionierteren Ziel schon sehr nahe: „Ich spiele Schach, seit ich sechs Jahre bin und wollte immer zu den Deutschen Meisterschaften fahren – und im Winter ist es so weit“, sagt die Schülerin der 5?b der Albert-Einstein-Schule.

In dieser Klasse der Integrierten Gesamtschule gibt es zurzeit eine Vorstudie für das Forschungsprojekt „Schachzug“ des Institutes für Lernentwicklungsforschung an der Technischen Universität in Dortmund, das von Klaus Stubbe geleitet wird. Die Arbeit soll zeigen oder widerlegen, dass Kinder, die in der Schule Schach spielen, sich besser konzentrieren können, eine höhere soziale Kompetenz haben und auch im Unterricht besser sind – und zwar nicht nur in Mathematik, sondern auch sprachlich. Für die Hauptstudie sucht Stubbe noch Geldgeber.

Geleitet wird der Schachunterricht von Leander Lehnert, Mitglied im Langener Schachclub. Er hat einen bundesweit wohl einmaligen Job. Vormittags arbeitet er als Fotograf für ein Unternehmen, nachmittags bezahlen ihn die Fördervereine von neun Schulen in Langen, Dreieich und Egelsbach für den Schachunterricht. „Wir packen es, dass du besser als dein Cousin spielst“, macht er Jonas Mut, bei Kim ist er vorsichtig: „Das wird schwer, deinen Cousin hatte ich in der Grundschule, der ist richtig gut.“ 400 Kindern hat er seit 2006 Schach beigebracht.

Bürgermeister Frieder Geb- hardt (SPD) bezeichnet die Kooperation von Schule und Schachverein als „Modellbeispiel und Glücksfall für Langen“. In der Albert-Einstein-Schule tritt jetzt in der Studie die Klasse 5?b immer donnerstags in der fünften Stunde zum Spiel mit König, Dame und Bauern an. Heftig grübelnd sind die Kinder in das Strategiespiel vertieft, ab und an wird Leander Lehnert zur Unterstützung herbeigerufen. Spaß macht es allen, auch denjenigen, die anfangs skeptisch waren. „Der Jonas wollte anfangs nicht so und jetzt ist er vorne dabei“, sagt Klassenlehrerin Medi Gehrt.

Für die Studie werden die Einschätzungen der Lehrer, die Selbsteinschätzung der Schüler und im Vergleich die Arbeiten der Parallelklasse 5?c, in der kein Schach gespielt wird, ausgewertet. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kinder im Unterricht besser auf Problemlösungen kommen, wenn sie das hier so spielerisch lernen“, sagt Mathelehrerin Anna Spiske.

Die Eltern würden bei dem Projekt mitziehen, sagt Schulleiter Georg Harnischfeger, auch wenn einige anfangs gezögert hätten. Die Schüler würden nicht immer von Hause aus optimal gefördert, das Projekt zeige aber das Potenzial der Kinder. „Es ist erstaunlich, welche Kompetenzen zum Tragen kommen, wenn man den Kindern die Gelegenheit zur Entfaltung gibt.“

www.schachzug.info

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