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Die Kleingärtner in Dreieich hatten mit ihrem Protest Erfolg.

Bauvorhaben in Dreieich

Kleingärtner siegen in Dreieich

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Die Pläne für den Bau eines Sport- und Bildungscampuses in Dreieich haben sich zerschlagen. Grund ist der Protest von Kleingärtnern, die ihre Gärten nicht hergeben wollten.

Monatelang haben Menschen für den Erhalt der Kleingärten in der Lettkaut in Dreieich-Sprendlingen protestiert – zum Teil mit harten verbalen Bandagen. Jetzt hat der vehemente Kampf ein Ende: Die Pläne für den Sport- und Bildungscampus, der dort entstehen sollte, haben sich zerschlagen. Das verlautbarte Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Aufgrund der erkennbaren Widerstände laufe den Investoren die Zeit davon, heißt es darin. 

„Wir müssen damit rechnen, dass Klageverfahren anhängig werden. Dann kann keiner den Investoren garantieren, dass ab 2021 ein baureifes Grundstück zur Verfügung steht“, sagte Zimmer gegenüber der FR.  Ende vergangener Woche habe er ein abschließendes Gespräch mit den Unternehmern Hans Strothoff und Hans Nolte geführt, die in der Lettkaut den Neubau der Internationalen Schule und eine deutsch-chinesische Fußballakademie entstehen lassen wollten. „Im Paket wäre das eine tolle Lösung gewesen“, so Zimmer. Die Verunsicherung bei den Projektbeteiligten und den Vertragspartnern aus China sei aber groß, hätten ihm die Unternehmer klargemacht. Auch das fehlende öffentliche Bekenntnis der Politik zu dem geplanten Sport- und Bildungscampus habe enttäuscht.

Hans Strothoff hat seine Pläne für den Neubau seiner Internationalen Schule in der Lettkaut nun begraben, hat stattdessen den Mietvertrag für das bestehende Gebäude im Haus des Lebenslangen Lernens (HLL) mit dem Kreis Offenbach um weitere zehn Jahre verlängert. Für den Bürgermeister ist das trotzdem eine gute Nachricht. „Ich bin froh, dass Strothoff mit seiner Schule nicht in eine andere Stadt geht. Angebote waren da.“

Für die Schule hätte die gesamte Kleingartenanlage geopfert werden müssen. Die Fußballakademie wäre dagegen südlich des vorhandenen Sportparks des SC Hessen Dreieich auf städtischem Grund entstanden. Ohne die Internationale Schule wird es nun aber auch keine deutsch-chinesische Fußballakademie am Standort geben. „Synergieeffekte waren ja der Plan“, erklärte Zimmer. Er hofft, dass die Stadtverordneten trotzdem bereit sind, das Grundstück in der Lettkaut planungsrechtlich weiterzuentwickeln und als Sport- und Freizeitgelände festzulegen. Dann könnte dort wenigstens noch eine internationale Fußballakademie, „ohne Schwerpunktausrichtung auf China“, entstehen – sofern Eintracht Frankfurt noch kooperieren will. Der Bundesligist wollte zusammen mit Noltes Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (DSBM) die deutsch-chinesische Fußballakademie bauen.

„Ich bin froh, dass sich Strothoff eine andere Lösung überlegt hat“, sagt Jens Bremecker vom Kleingartenverein Sprendlingen. Er ist Sprecher der fünfköpfigen Verhandlungskommission, die in den vergangenen Monaten namens der Kleingärtner mit der Stadt Gespräche geführt hat. „Wir haben um den Erhalt unserer Gärten gekämpft und wollten auch weiter kämpfen“, sagt er.

Die Vereinsmitglieder werden die „Frohbotschaft“ heute Abend in der Jahreshauptversammlung erfahren, in der auch ein neuer Erster Vorsitzender gewählt wird. Der bisherige Chef Günter Neukirch wurde Mitte Mai aus dem Verein ausgeschlossen; ihm wurde Veruntreuung der Vereinsfinanzen vorgeworfen. Er hat Rechtsmittel dagegen eingelegt.

Hans Strothoff war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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