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Sabine Haase-Schnorrbusch leitet seit Juli die Kita 3.

Rodgau

Fit für Führungsaufgaben

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Statt Kräfte von außerhalb anzuwerben, setzt die Stadt Rodgau erstmals in einem Projekt auf die gezielte Heranbildung von Führungskräften und qualifiziert neun Erzieherinnen dafür, eine Kindertagesstätte zu leiten. Damit reagiert die Stadt auch auf den immer härteren Wettbewerb um Fachkräfte.

Den Wunsch, selbst eine Kindertagesstätte zu leiten, hatte sie schon lange. Aber ohne einen „gefüllten Rucksack“, also die nötige Qualifikation, wollte Sabine Haase-Schnorrbusch den Schritt von der Kollegin zur Führungskraft nicht wagen. Sie habe selbst erlebt, wie eine Leiterin ins Schwimmen kam, berichtet die Erzieherin, die schon seit 26 Jahren für die Stadt Rodgau arbeitet.

Drei Jahre lang haben sich Haase-Schnorrbusch und acht weitere Erzieherinnen, die gerne einmal eine Kita leiten würden, jetzt mit städtischer Unterstützung auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Sie beschäftigten sich etwa mit ihrer neuen Rolle als Chefin, lernten in einer Art Schnellkurs, wie Verwaltung funktioniert und führten eigenverantwortlich jeweils drei Projekte durch, bei denen es etwa um die Kooperation zwischen Hort und Schule ging. Die Stadt hat die Teilnehmerinnen für einen Teil der Angebote freigestellt und Honorarkosten übernommen.

Haase-Schnorrbusch ist die erste der Teilnehmerinnen, die bereits in ihrer neuen Funktion arbeitet: Seit 1. Juli leitet sie die Kita Am Rückersgraben in Dudenhofen, in der ein zehnköpfiges Team arbeitet. Es sei gut gewesen, mit der neuen Aufgabe in einer ihr bisher fremden Einrichtung zu beginnen, sagt sie. Dort kümmert sie sich nun hauptsächlich um Organisatorisches und die pädagogische Linie, will ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Eltern haben. Sie hilft aber auch noch in den Gruppen aus, arbeitet also weiter direkt mit den Kindern.

Vier weitere Erzieherinnen, die sich mit Hilfe der Stadt weitergebildet haben, haben inzwischen die stellvertretende Leitung einer Kindertagesstätte übernommen, eine weitere Kollegin arbeitet nun in der Fachberatung der Tagespflege.

Nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) hat die Stadt erstmals in solch einem Projekt gezielt Führungskräfte herangebildet statt externe Kräfte anzuwerben. Ziel sei auch, dass die Beschäftigten spürten, dass die Stadt als ihr Arbeitgeber sie wahrnimmt und sie eine Chance auf ein berufliches Weiterkommen haben, sagte er.

Wettbewerb um Fachkräfte

Solche Angebote macht die Stadt auch, um im immer härteren Wettbewerb um Fachkräfte für die Betreuung mithalten zu können. Denn Kommunen wie Frankfurt und Offenbach, Neu-Isenburg und Dietzenbach bieten eine bessere Bezahlung.

Der Stadt Rodgau gelingt es nach Angaben des Fachbereichsleiters Kinder, Jugend, Familien, Frank-Ulrich Lenz aber dennoch die freiwerdenden und für den Ausbau benötigten Stellen zu besetzen. Derzeit seien vier der 180 Stellen vakant. „Wir haben noch einen guten Stand, weil wir einen guten Ruf bei den Fachhochschulen haben“, sagt Lenz. Nicht nur das Geld sei ausschlaggebend.

Die Stadt bietet nach Ansicht der pädagogischen Fachberaterin Margit Franz den Erzieherinnen Standards, die nicht überall selbstverständlich seien – etwa im Bereich Weiterbildung, bei Supervision und Coaching.

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