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Eine Szene, fast wie vom Filmregisseur Emir Kusturica erfunden. FR-Fotograf Sascha Rheker hat sie am Fuß der Dietzenbacher Hochhäuser entdeckt. Eine erfolgreiche Integration der Dietzenbacher Zuwanderer kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Akteure miteinander sprechen und an einem Strang ziehen. So lautet die Kernthese, auf deren Grundlage Wissenschaftler der Universität Bamberg ein Integrationskonzept für die Kreisstadt entwickeln wollen.

Dietzenbach

Fremd in der neuen Heimat

Bamberger Wissenschaftler sollen ein Integrationskonzept für Dietzenbach entwickeln. Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussehen wird, blieb in der Präsentation der Wissenschaftler offen.

Von Maurice Farrouh

Eine erfolgreiche Integration der Dietzenbacher Zuwanderer kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Akteure miteinander sprechen und an einem Strang ziehen. So lautet die Kernthese, auf deren Grundlage Wissenschaftler der Universität Bamberg ein Integrationskonzept für die Kreisstadt entwickeln wollen.

"Man muss das Rad nicht in jeder Stadt neu erfinden", sagte Doris Lüken-Klaßen vom Europäischen Forum für Migrationsstudien der Universität Bamberg (EFMS), als sie zusammen mit Institutsleiter Friedrich Heckmann das Konzept im Bürgerhaus vorstellte. Der Vortrag erfolgte auf Einladung der Stadtverordnetenversammlung.

Zentrales Anliegen der Wissenschaftler ist demnach die Einbindung "lokaler Experten" in die Integrationsarbeit: Politik, Verwaltung, Vereine, Kirchen, Bildungsträger und Polizei sollen künftig eng vernetzt zusammenarbeiten, um die Integration voranzubringen.

"Dieser partizipatorische Ansatz hat den Vorteil, dass er nicht an den lokalen Besonderheiten der Stadt vorbeigeht", so Lüken-Klaßen. Diese Einbindung sei nicht selbstverständlich. Einige andere Städte, etwa Stuttgart, setzten dagegen auf sogenannte Top-Down-Konzepte, bei denen die Koordination der Integrationsarbeit vollständig in der Hand externer Fachleute liegt.

Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussehen und was genau sie bewirken soll, blieb in der Präsentation der Wissenschaftler offen. Zuerst müsse die spezielle Situation vor Ort analysiert werden, daran anschließend könne sich ein Steuerungskreis aus Experten des EFMS und lokalen Vertretern an die Entwicklung des Integrationskonzepts machen, erläuterte Soziologieprofessor Heckmann.

"Es kommt darauf an, wichtige Schlüsselpersonen einzubinden, damit sie ihre Netzwerke aktivieren", so Heckmann. Das könnten sowohl Verantwortliche von Migranten- und Sportvereinen sein, als auch die Imame der örtlichen Moscheen. Expertengruppen zu Themen wie Wohnen, Arbeit, Sicherheit oder Gesundheit könnten "Probleme und Potenziale aufspüren". Die Ergebnisse sollen auf einer "Integrationskonferenz" präsentiert werden, an deren Ende Ziele der Integrationsarbeit in einer Selbstverpflichtungserklärung zusammengefasst werden.

"In Dietzenbach läuft bereits eine regelrechte Integrationsoffensive", so Heckmann. Es gelte nun, diese Aktivitäten aufeinander abzustimmen und Synergieeffekte zu nutzen. Das Konzept des EFMS ist auf zwei Jahre angelegt und würde die Stadt rund 43000 Euro kosten.

Bei den Stadtverordneten rief der Vortrag gemischte Reaktionen hervor. Kritische Töne kamen besonders aus der FDP-Fraktion. "Alles was Sie hier vorschlagen, haben wir schon längst abgehakt", sagte der Stadtverordnete Artus Rosenbusch. Sein Fraktionskollege Heiner Kuse ging gar einen Schritt weiter. Er habe sich die Zusammenfassung einer Studie des EFMS für die Stadt Frankfurt durchgelesen, und sie enthalte nichts weiter als "triviale Feststellungen". "Das könnte jeder Zweite von uns auch so machen", so Kuse.

Dem widersprach Heckmann entschieden. Derart exakte Daten und Erkenntnisse, wie sie das EFMS in seinen Studien gewinne, könne man im Alltag nicht feststellen. Es reiche eben nicht aus, eine vage Vorstellung von bestimmten Problemen zu haben. "Man muss sich fragen, wie das Bild genau aussieht."

Peter Gussmann (SPD) setzt dagegen große Hoffnungen in die Wissenschaftler. "Wir kommen aus eigener Kraft nicht zu Ergebnissen. Wenn Ihr Institut alle Akteure zu konstruktiven Gesprächen zusammenbringen könnte, wäre damit schon viel gewonnen."

Die Fraktionen beraten jetzt, ob die Stadt den Auftrag für das Integrationskonzept erteilen soll.

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