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Die Schreinerwerkstatt Tonio Pflaum, das erste Projekt des Dietzenbacher Monimbó-Vereins und der Stadt Dietzenbach.

Dietzenbach

Das Engagement ist geblieben

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Seit 1985 ist die Stadt Masaya mit Dietzenbach verschwistert. Christoph Manus erinnert nach 25 Jahren Städtepartnerschaft an den Skandal um ein Kunstwerk aus Nicaragua, heiße Diskussionen darum und die einschneidenden politischen Folgen.

Hilfe für Nicaragua war auch ein politisches Statement. Wer links war, unterstützte die Sandinisten, die 1979 nach einer Revolution die Macht im mittelamerikanischen Staat übernahmen. Ein Hoffnungsschimmer sei das gewesen, sagt Brigitte Fischer vom Dietzenbacher Verein für internationale Beziehungen, „der Versuch, einen eigenen Weg zu gehen, unabhängig von den USA“.

Schon Anfang der 80er Jahre unterstützten Dietzenbacher den Bau von Schulen, Straßen und Kindergärten in der inzwischen 130.000 Einwohner zählenden Stadt Masaya, die seit 1985 mit Dietzenbach verschwistert ist. Eine Schreinerwerkstatt entstand, in der Waisenkinder eine Ausbildung erhalten. Zu Zeiten der Koalition aus SPD, Grünen und Unabhängigen Kommunisten gab die Stadt jährlich etwa 40.000 Mark für den Aufbau von Infrastruktur. Der Verein Monimbo, dessen Arbeit inzwischen der Verein für internationale Beziehungen weiterführt, sammelte mehrere Millionen Euro für Masaya, wo etwa 60 Prozent der Menschen arbeitslos sind, das soziale Gefälle riesig ist. Viele Kinder müssen arbeiten.

Wirbel um ein Wandbild

Streit zwischen linken und konservativen Dietzenbachern entstand, als die Stadt 1992 ein von vier nicaraguanischen Künstlern gemaltes Wandbild an einem Gerüst vor dem Rathaus befestigte. Denn das bürgerliche Lager hielt es für „Agitprop“ und antiamerikanisch. In einer Bürgerbefragung stimmten 84 Prozent gegen das Bild. Aus der Bewegung gegen das Bild entstanden die Bürger für Dietzenbach, die bei der folgenden Wahl stärkste Fraktion wurden – und gemeinsam mit der CDU die Mittel für Masaya drastisch kürzten.

Inzwischen ist das Politische in den Hintergrund getreten, das Engagement für das arme Land in Mittelamerika aber ist geblieben. Zwar überweist die Stadt jährlich nur noch knapp 3500 Euro nach Masaya. Mit privaten Spenden unterstützen Dietzenbacher aber weiterhin die Menschen in der Partnerstadt.

Schüler der Heinrich-Mann-Schule etwa ermöglichen mit Stipendien jungen Leuten das Studium. Die Schule unterhält mit der Rödermärker Nell-Breuning-Schule eine Partnerschaft mit einer Schule in Masaya. Dieser Tage kommen drei junge Erwachsene, denen der Verein für internationale Beziehungen zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Masaya verholfen hat, zurück. Zwei haben in Kindergärten, einer in der Partnerschule gearbeitet. Und ihre Nachfolger sind schon in Mittelamerika angekommen.

Gerade erst zurückgekommen sind eine Schülergruppe und drei erwachsene Dietzenbacher. Heidi Schmidt etwa hat einen Kindergarten besucht, für den sie eine Schaukel, Seile und Bälle gekauft haben. Die Kinder hätten vorher nichts zum Spielen gehabt, berichtet die Dietzenbacherin. „Sie haben sich so gefreut.“

www.vib-dietzenbach.de

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