Dreieich

Eltern sollen Druck machen

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Die Nachfrage nach Betreuung am Nachmittag?in Dreieich ist groß. Viele Eltern hoffen auf flächendeckende Ganztagsschulen. Noch müssen viele von ihnen mit Neid auf die Erich-Kästner-Schule in Sprendlingen und die Wingertschule in Offenthal blicken.

Der Große hat einen Betreuungsplatz, aber wer weiß, ob wir beim Kleinen dann auch so ein Glück haben“, fragt eine Mutter. Viele Dreieicher Eltern befürchten, dass sie für ihre Kinder in der Schule keinen Betreuungsplatz am Nachmittag finden. Bei einem Info-Abend der Stadt, zu dem 130 Eltern kamen, gab es heftige Diskussionen.

Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) sagte den Eltern, dass an den sieben Dreieicher Grundschulen derzeit schon 750 Kinder nach Schulschluss betreut würden. „Das sind 45 Prozent der Schüler.“ Dafür zahlt die Stadt pro Jahr 500 000 Euro. Wenn die Karl-Nahrgang-Schule in Götzenhain im kommenden Jahr ausgebaut ist, werden es 600?000 Euro sein.

Der Bedarf an Betreuungsplätzen sei so weit gestiegen, dass die Stadt an ihre Grenze komme und nur eine flächendeckende Ganztagsschule die Nachfrage noch decken könne. Auch Schulen und Fördervereine hätten inzwischen ihre Kapazitäten ausgeschöpft. Und der Bedarf werde größer, sagte Zimmer im Hinblick auf den Ausbau der U-3-Betreuung. „Aber Kommunen und Fördervereine können nicht die Ganztagsschule ersetzen.“ Das Land müsse auch seinen Beitrag leisten.

„Wir brauchen einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel“, sagte Elke Tomalla-Brümmer vom Fachdienst Pädagogische Schulentwicklung beim Kreis Offenbach. Eine Ausweitung der Betreuung sei nur über eine offene oder gebundene Ganztagsschule möglich. Und hier sei der Elternwille gefragt. Es müsse in der Elternschaft Einigkeit über diese Frage herrschen und sie müssten dafür Druck machen. Ein Vater sagte, die Elternbeiräte sollten im Gespräch mit den Parteien die Probleme darstellen und herausfinden, wie die Eltern zum Thema Ganztagsschule stehen.

Grenzen sind zwingend

Mit leisem Neid blickten so manche Eltern auf die Erich-Kästner-Schule in Sprendlingen und die Wingertschule in Offenthal, die bereits auf der ersten Stufe der Ganztagsbetreuung stehen. Ob sie ihr Kind nicht hier anmelden könne, fragte eine Mutter. Nein, die Schulbezirksgrenzen seien zwingend. Wann die Ganztagsschule flächendeckend eingeführt werde, wollte ein Vater wissen. Die Schulleiter brauchten einen langen Atem, so Tomalla-Brümmer. Einige Anträge auf zusätzliche Lehrerstunden für den Nachmittag liefen schon mehr als zehn Jahre. Deshalb sei es wichtig, dass Eltern Druck machten.

„Hier sind ja nur Eltern, die Bedarf an Kinderbetreuung haben. Die nicht da sind, wollen das vielleicht gar nicht“, befürchtete eine Mutter. Eine andere bemängelte, dass sie wegen der großen Nachfrage von der Wingertschule erst im Mai die Zusage erhalte, ob ihr Kind den Platz erhalte. „Dort haben wir schon einen Versorgungsgrad von 70 Prozent“, sagte der Bürgermeister. „Wenn das nicht reicht, sind wir doch fast schon an der Ganztagsschule dran – wo kommt dann die Meinung her, dass viele vielleicht die Ganztagsschule gar nicht wollen?“

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