+
Auf wilde Müllhaufen können Bürger die Stadt im Mängelmelder hinweisen.

Mängelmelder

Bürger spüren Missstände auf

  • schließen

Auf wilde Müllhaufen können Bürger die Stadt Dreieich im Mängelmelder hinweisen. Offenbach hat damit schon gute Erfahrungen gesammelt.

Wer sich beim Spaziergang in Dreieich über wilden Müll, hochstehende Gehwegplatten oder defekte Straßenbeleuchtung ärgert, kann dies der Stadtverwaltung ab sofort per Handy mit App, aber auch im Web, auch mit Foto, mitteilen. Die Stadt stellte jetzt ihren Mängelmelder vor, um Beschwerden und Anregungen von Bürgern schnell zu bearbeiten. Ein entsprechender Stadtverordnetenbeschluss war 2014 gefällt worden. Der bisherige „Denkzettel“ auf der Internetseite fällt ab sofort weg.

„Mit dem neuen System können Bürger mit sehr geringem Zeitaufwand uns wichtige Hinweise und Anregungen geben“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD). Das System wurde von der Darmstädter Firma „werdenktwas“ entwickelt, ist bereits in Kommunen in ganz Deutschland im Einsatz und wurde für Dreieich so ausgeprägt, dass die Bearbeitung der Meldungen sowohl von der Stadt Dreieich als auch vom Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg AöR vorgenommen werden kann.

Auch vom heimischen Computer können die Meldungen noch abgesetzt werden. Dabei sind alle Mängel samt Bearbeitungsstatus einsehbar. Zum einen können dabei doppelte Hinweise vermieden werden, zum anderen sei dadurch die Transparenz über die tatsächliche Abarbeitung der Mängel gegeben, sagt der Bürgermeister. Auch kommt auf jeden Hinweis die doch vielversprechende Antwortmail: „Wir werden uns den Sachverhalt ansehen.“

Tobias Vaerst von „werdenktwas“ möchte den Mängelmelder nicht ausschließlich als Beschwerdeforum verstanden wissen und verweist auch auf die Kategorie „Anregungen und Ideen“ des Systems. Damit kann der Bürger auch ohne akuten Missstand mit der Stadt in Kontakt treten und Verbesserungsvorschläge machen. Einmal heruntergeladen, funktioniert die App dann nicht nur in Dreieich, sondern je nach Aufenthaltsort auch in allen anderen beteiligten Städten, beispielsweise in Offenbach.

Dort ist die Plattform bereits seit 2012 mit steigender Akzeptanz im Einsatz. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamts. 749 Meldungen gingen im vergangenen Jahr bei der Stadt digital ein, davon beschäftigten sich 310 mit dem Thema Müll, aber auch Autowracks, wild abgestellte Einkaufswagen und kaputte Straßenbeleuchtung waren die Themen. „Die Investition hat sich gelohnt, weil wir nicht mehr jede Beschwerde tippen und lange nachfragen müssen, wo denn beispielsweise der Müll im Wald liegt“, sagt Weigand. Im Mängelmelder habe er bei den dortigen Hinweisen sofort auch die Geo-daten. „Aber das ist nur ein Teil unseres Meldesystems und nimmt uns entsprechend nur einen Teil der Arbeit ab“, fügt er hinzu, denn insgesamt gingen 2015 beim Ordnungsamt gut 4200 Beschwerden ein, die meisten davon – knapp 3000 – kommen noch immer telefonisch.

Die Stadt Neu-Isenburg, mit der sich Dreieich im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit den Dienstleistungsbetrieb teilt, hat auf das System verzichtet. Ende vergangenen Jahres hat sich das Parlament mehrheitlich dagegen ausgesprochen. „Die Stadt fürchtet, dass dann auch mal negative Dinge diskutiert werden“, hatte die grüne Abgeordnete Maria Marx gemutmaßt.

Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) hatte dagegen auf die Kosten und auf die 15 ehrenamtlichen Stadtkümmerer verwiesen, die alle Schäden an den DLB melden. Solche Stadtkümmerer möchte auch Dreieich zusätzlich einführen, dies aber erst nach einer halbjährlichen Erprobung des Mängelmelders.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare