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Flugplatz Egelsbach: für die Stadt Langen totes Kapital.

Langen

Abschied vom Flugplatz

Zweiter Anlauf zum Verkauf der städtischen Anteile.

Von Maurice Farrouh

Drei Jahre als Juniorpartner wider Willen sollen genug sein: Die Stadt Langen unternimmt einen zweiten Versuch, ihre Anteile am Flugplatz Egelsbach zu verkaufen. 2009 hatte ein Bürgerentscheid den Verkauf der städtischen Anteile an den Mehrheitseigner Netjets, eine Fluggesellschaft im Besitz des legendären US-Investors Warren Buffett, verhindert.

An dieses Votum war die Stadt drei Jahre lang gebunden. Die Frist läuft Ende des Monats ab. Der Magistrat will keine Zeit verlieren und schnellstmöglich einen neuen Anlauf zum Ausstieg aus dem inzwischen fast vollständig privatisierten Flugplatz nehmen.

„An unseren Gründen für den Verkauf hat sich durch den Bürgerentscheid nichts geändert“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD). Die Stadt brauche dringend Geld. Das in den Flugplatz-anteilen gebundene Kapital von rund 354000 Euro bringe zudem keine Dividende.

Mitreden bei Entscheidungen zur Zukunft des Flugplatzes könne Langen schon lange nicht mehr, so Gebhardt. Die Langener Anteile – vor drei Jahren waren es noch 9,4 Prozent – sind durch einseitige Kapitalerhöhungen von Netjets inzwischen auf 6,3 Prozent zurückgegangen. Der zweite öffentliche Anteilseigner, die Gemeinde Egelsbach, hält noch 7,3 Prozent am Flugplatz. Den Rest der Anteile hatte Netjets vor drei Jahren von den übrigen Gesellschaftern übernommen: Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft (KVBG), Stadtwerke Offenbach und Stadtwerke Langen.

Falls die Stadt ihre Anteile verkauft, verlöre sie ihren Platz in der Gesellschafterversammlung und bekäme nicht mehr mit, was dort besprochen und geplant wird. Es bliebe zwar ein Sitz im Flugplatzbeirat. Bürgermeister Gebhardt gibt aber offen zu, dass dort kaum Informationen ankommen.

Scharfe Kritik an den Verkaufsplänen kommt von der Fluglärm-abwehrgemeinschaft Egelsbach (Flag). „Die Langener Bürger werden von ihrem eigenen Bürgermeister verraten und verkauft“, erklärt Vorsitzender Günther de las Heras und verweist auf den Flugplatzentwicklungsvertrag, der als Bestandteil des Kaufvertrags die Pflichten der Vertragspartner regelt. „Die Verkäufer unterwerfen sich darin einer Unterstützungspflicht.“ Dies bedeute den Verzicht auf rechtliche Schritte gegen den Flugplatz. „Langen verkauft nicht nur GmbH-Anteile, sondern verbrieftes öffentliches Recht.“

„Gebhardt macht sich zum Erfüllungsgehilfen der Wirtschaftsinteressen von Warren Buffett“, schimpft Grünen-Chef Stefan Löbig. Netjets wolle der Stadt einen Maulkorb verpassen. Die Vertragsklauseln seien sittenwidrig.

Auch Rainer Hoffmann von der Rödermärker Bürgergruppe gegen Fluglärm und Tiefflüge sieht die Langener Pläne kritisch. „Ich denke, man sollte die wenigen Einflussmöglichkeiten, die man noch hat, nicht aufgeben.“

Egelsbach will seine Anteile vorerst behalten. Bürgermeister Jürgen Sieling (SPD) erklärte, es gebe keine Pläne für einen Verkauf. Über den Verkauf der Langener Anteile berät das Stadtparlament am 11. Oktober.

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