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Sind Wespen aggressiv?

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Von: Agnes Schönberger

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Eine Deutsche Wespe.
Eine Deutsche Wespe. © imago stock&people

Im Spätsommer haben Wespen Saison: Hildegard Dombrowe spricht im FR-Interview über Nester im Garten und bewährte Hausmittel

Hildegard Dombrowe ist Biologin und Sachbearbeiterin im Fachbereich Umweltschutz der Stadt Neu-Isenburg.

Sie sagen, ein Wespenstich sei in der Regel kein Grund zur Panik. Nur: Die meisten Menschen reagieren schon auf den Anblick der Plagegeister hysterisch. Haben Sie andere Tipps, wie man sich verhalten sollte?
Nein, nicht wirklich. Das ist der Hauptverhaltenstipp: ruhig bleiben und keine hektischen Bewegungen machen. Denn Wespen sind an und für sich nicht aggressiv. Aber da sie wie Honigbienen soziale Insekten sind, verteidigen sie ihren Staat.

Aber was ist, wenn die um den Kuchen am Kaffeetisch herumfliegen?
Den sollte man abdecken, damit keine süßen Gerüche die Wespen anlocken. Außerdem ist es ratsam, beim Essen einen Blick auf die Speisen zu werfen, bevor man hineinbeißt. Auch sollte am Mund nichts Süßes kleben.

Was empfehlen Sie Allergikern, die Grund zur Sorge haben?
Die sollten, wenn sie gestochen werden, vorsichtshalber sofort einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollten sie während der Sommermonate ein Antiallergikum zur Hand haben.

Und was raten Sie Leuten ohne Allergie?
Da ist ein bewährtes Hausmittel das Auflegen einer aufgeschnittenen Zwiebel oder die Kühlung der Schwellung. Zusätzlich gibt es geeignete Mittel aus der Apotheke.

Die Deutsche und die (nomen est omen) Gemeine Wespe gelten als besonders fies, weil sie Appetit auf alles haben, was auch uns schmeckt. Woran erkenne ich sie?
Sie gehören zu den sogenannten Kurzkopfwespen. Die meisten Leute werden dies wohl kaum erkennen. Es sind aber mit Abstand die häufigsten Wespen. Anders ist das bei den Hornissen, die wegen ihrer Größe auffallen.

Aber die sind harmlos?
Die Stiche sind auf alle Fälle nicht gefährlicher, nur weil die Tiere größer sind. Aber die Hornisse steht nicht so auf süße Speisen. Sie jagt Insekten und leckt an Baumsäften. Aber natürlich geht sie auch an reifes Obst.

Kann man die Wespen irgendwie ablenken, etwa wenn man eine Party im Freien feiern will?
Da könnte man an entlegener Stelle im Garten etwas aufstellen.

Die beiden aufdringlichen Wespenarten bauen ihr Nest gerne im Rollladenkasten oder im Hohlraum des Daches. Wie groß ist denn so ein Sommerstaat?
Das können mehrere Tausend Tiere sein. Das hängt natürlich vom Platz ab. Andere Wespenarten haben frei hängende Nester. Da sind dann vielleicht nur 100 Tiere drin. Die Deutsche und Gemeine Wespe gehen in dunkle Hohlräume.

Sie plädieren dafür, sich mit den ungebetenen Hausgästen zu arrangieren, weil der Wespenstaat im Herbst ohnehin absterbe.
Ja, das stimmt. Im Gegensatz zu Honigbienen legen Wespen nämlich keine Vorräte für den Winter an. Bei den Wespen überwintern nur die befruchteten Königinnen. Diese bauen im Frühjahr aus abgeschabten Holzteilchen die ersten Waben. Wenn dann die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, lässt die Königin die anderen schaffen und konzentriert sich aufs Eierlegen. Nachdem der Höhepunkt der Entwicklung im Sommer überschritten ist, stirbt das Nest allmählich ab und enthält im Oktober/November keine Tiere mehr.

Darf ich es dann beseitigen?
Ja. Aber das ist eigentlich nicht notwendig. Denn die Wespen gehen nicht in ein bestehendes Nest, sondern bauen immer wieder neu.

Wie lässt sich verhindern, dass sie sich in Haus oder Garten niederlassen?
Bekannte Einschlupflöcher kann man schließen. Rollladenkästen sollten möglichst wenig Hohlraum freilassen..

An wen kann ich mich wenden, wenn ich das Nest beseitigen lassen will?
Die Feuerwehren machen es entgegen weit verbreiteter Meinung nicht. Neu-Isenburger können sich an meinen Kollegen Markus Bucher und mich wenden (Telefon 06021 / 241 764 und -720). Anrufern nennen wir bewährte Experten, die Wespen und Hornissen auch umsiedeln können. Die Entfernung kostet unter 100 Euro.

Interview: Agnes Schönberger

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