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Die Armbrustschützin Ina Schmidt von den Diana-Schützen Rödermark peilt mittlerweile ihren achten Titel an.

Rödermark

Die Serien-Weltmeisterin

Mädchen können das nicht? Das war der dummer Spruch eines Gleichaltrigen, als die damals 14-jährige Ina Schmidt beim Schützenverein Diana in Rödermark anfing. Das sagte er nie wieder: Schmidt war seither sieben Mal Weltmeisterin.

Von Anne Jäger

Breitbeinig steht Ina Schmidt da, während sie mit ihrer Armbrust auf die 65 Meter entfernte Scheibe zielt. Ihre Bewegungen sind für einen Beobachter kaum ersichtlich: Manchmal rutscht sie mit ihrem Fuß einen Millimeter nach vorn. Hoch konzentriert steht sie in der prallen Sonne. Plötzlich gibt es einen dumpfen Schlag, und der Pfeil fliegt los. Der nächste Ton verrät, dass das Geschoss sein Ziel getroffen hat. Die Schützin beugt sich zu ihrem Fernrohr, denn von ihrem Stand aus sieht man die Zielscheibe nur als kleinen Kreis.

Ina Schmidt trainiert für ihren nächsten Wettkampf, die Weltmeisterschaft. Angefangen hat sie mit dem Schießen als 14-Jährige. Damals begleitete sie ihren Vater regelmäßig, der beim Schützenverein Diana in Ober-Roden mit der Armbrust schoss. „Ein gleichaltriger Junge sagte damals, Mädchen können das nicht“, sagt die 28-Jährige und lächelt, „aber das sagte er nie wieder.“ Sie hat schon sieben Mal den Weltmeistertitel errungen. Den achten will sie nächste Woche holen.

Am Montag geht es los Richtung Frankreich, wo sie sich mit über hundert Konkurrenten messen wird. 210 Pfeile wird sie an zwei Tagen verschießen. „Am Anfang hat man eine Grundnervosität, dann kommt die Routine“, erzählt Ina Schmidt gelassen. „Erst im Finale fängt die Aufregung wieder an.“ Wenn es ihre Arbeit zulässt, trainiert sie mehrmals die Woche. Sie macht gerade in Darmstadt ihren Doktor in Mikrobiologie.

Die Schützin trägt eine Kappe mit Klappen an den Seiten. So schützt sie ihre Augen vor der Sonne. Ob pralle Sonne, Regen oder Hagel – alle Wetterbedingungen muss sie mit einberechnen. Selbst wenn sie beim Wettkampf vorn läge, eine Windböe könnte alles verändern. „Das hält den Wettkampf offen bis zum letzten Schuss.“

Nachdem sie mehrere Pfeile abgeschossen hat, geht die blonde Frau los, um sie zu holen. Mit einer speziellen Zange zieht sie sie aus der Scheibe. Die Geschosse wird sie mit zur WM nehmen, deshalb müssen sie gerade bleiben. Ina Schmidts Vater Manfred richtet sie vorher zu Hause. „Die Pfeile sind dann kein hundertstel Millimeter verbogen“, sagt der 58-Jährige, der seine Tochter zur WM begleiten wird.

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