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Rund 30 Kubikmeter Bauschutt mussten mit Spezialgerät entsorgt werden.

Dreieich

Schuttberg im Wald

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Ein Umweltfrevel beschäftigt die Kriminalpolizei: Unbekannte haben jede Menge Baustellenabfall im Wald von Dreieich abgeladen.

Mit Spezialgerät beseitigten Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma am Mittwoch einen riesigen Berg mit Baustellenabfall. Unbekannte hatten den Schutt in der Vorwoche illegal auf einen Waldweg gekippt - an der Landesstraße 3317 zwischen Dreieich-Offenthal und Messel. Ein Spaziergänger hatte den Schutthaufen im Wald vor einer Schranke rund 120 Meter von der Landesstraße entfernt entdeckt und dem Revierförster gemeldet.

Rund 30 Kubikmeter Bauschutt waren nachts auf dem Waldweg entsorgt worden – aufgrund der großen Menge vermutlich mit einem Sattelschlepper, so Andreas Feldmann vom städtischen Fachbereich Steuerungsunterstützung. Der Verursacher konnte noch nicht gefunden werden. „Wir haben Hinweise, aber noch keinen definitiven Beweis“, sagt Feldmann. Die Stadt ermittle noch im Umfeld eines privaten Entsorgungsunternehmens und eines privaten Bauherrn. Der Revierförster hatte in dem Abfallhaufen ein Papier gefunden, das vom Einbau einer Heizungsanlage in ein Zweifamilienwohnhaus in Langen vor ein paar Jahren zeugt. „Er fuhr zu dieser Adresse und stellte fest, dass das Gebäude nicht mehr da war“, so Feldmann. Bagger auf dem Grundstück bewiesen aber, dass es gerade erst abgerissen worden war.

Giftige Stoffe ausgetreten? 

„Wir haben auch Elemente von Heizungsanlagen im Schutt gefunden, aus denen eventuell flüssige Stoffe ausgetreten sind, die den Boden kontaminieren“, sagt Feldmann. Deshalb habe die Stadt nun auch Strafanzeige gestellt. Das Umweltkommissariat des Polizeipräsidiums Südosthessen hat die Ermittlungen übernommen; sie dauern laut Pressesprecherin Andrea Ackermann derzeit noch an.

Da dem Dienstleistungsbetrieb (DLB) Dreieich und Neu-Isenburg für den Abtransport das Spezialgerät – etwa ein Bagger mit Betonbrecher – fehlt, beauftragte er die Firma Chantré aus Neu-Isenburg, die den Schutt an Ort und Stelle trennte und in drei Containern abtransportierte. Der DLB nahm lediglich Proben, die er der Polizei zur Verfügung stellen kann. „Neben Betonbrocken lagen da Armierungseisen, Teile von Rohrleitungen, Kabel, Holz, etwas Plastik und eine alte Antennenanlage“, so Feldmann. Der Abfall wurde nicht komplett entsorgt, sondern wird vom DLB gesichert, bis das Verfahren abgeschlossen ist.

Bauschutt in dieser großen Menge kann an den städtischen Wertstoffhöfen nicht angeliefert werden, die Baufirmen müssen ihn zu Deponien fahren.

Aufgrund der starken Bautätigkeit sind die Deponien in Rhein-Main aber kaum mehr aufnahmefähig und der Abfall muss deshalb manchmal zur Entsorgung nach Ostdeutschland gefahren werden. Das ist zeit- und kostenintensiv.

„Vermeiden lassen wird sich so ein Umweltfrevel auch in Zukunft nicht“, sagt Feldmann. „Aber da braucht niemand mit unserer Nachsicht rechnen.“

Dem Umweltsünder droht neben einer saftigen Rechnung für die Entsorgungskosten ein weiteres Bußgeld.

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