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Schluss mit Kino

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Von: Christoph Manus

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Das Dietzenbacher Open-Air-Kino.
Das Dietzenbacher Open-Air-Kino. © Renate Hoyer

Das Unternehmen EAB kauft das Übergangsrathaus in der Dieselstraße. Das Open-Air-Kino wird geschlossen. Und das Dietzenbacher Stadtparlament beschließt den Haushalt.

Schon in den vergangenen Tagen war Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) verdächtig guter Laune. Nun konnte er den Stadtverordneten kurz vor der Haushaltsdebatte den bisher größten Erfolg der Wirtschaftsförderung in seiner Amtszeit verkünden. Die Unternehmensgruppe EAB kauft das als Übergangsrathaus genutzte Gebäude an der Dieselstraße für knapp 1,9 Millionen Euro. 250 Beschäftigte, die bisher in Zeppelinheim, in Darmstadt und Hanau arbeiten, sollen es künftig nutzen. Das Unternehmen hat sich auf die elektronische Gebäudeausrüstung spezialisiert. Ein großer Auftraggeber ist die Fraport. Die Stadt setzte sich nach eigenen Angaben gegen drei andere mögliche Standorte für den künftigen Hauptsitz der Firma im Rhein-Main-Gebiet durch. Nach Unternehmensauskunft sei eine Gewerbesteuerzahlung von 200000 Euro pro Jahr zu erwarten, hieß es.

Im Haushaltsentwurf des Ersten Stadtrats Dietmar Kolmer (CDU) klaffte noch ein Loch von mehr als 18 Millionen Euro. Durch den Verkauf des Verwaltungsgebäudes, aber auch Haushaltsbeschlüsse wie die Erhöhung des Gewerbesteueransatzes von zehn auf zwölf Millionen Euro, wird das Defizit sinken. Der strukturelle Fehlbetrag aber bleibt. Zu wenig Einnahmen, hohe Ausgaben etwa im Bereich Kita, die der Stadt von Bund und Land aufgedrückt werden.

Den Antrag auf eine pauschale Kürzung der Ausgaben um 1,5 Millionen Euro zog die CDU-Fraktion nach rechtlichen Bedenken von Rogg zurück. Mit Koalitionsmehrheit beschlossen wurde dagegen etwa die Reduzierung der Mittel für die Sanierung der Kitas 7 und 9. Grüne und Dietzenbacher Liste nahmen nicht an der Abstimmung teil. Sie forderten erst einen Ortstermin.

Trotz massiver Kritik beschloss das Stadtparlament mit den Stimmen fast aller CDU-Stadtverordneten sowie der UDS-Fraktion das Aus für das Open-Air-Kino. Die CDU hatte argumentiert, die Kosten ständen in keinem Verhältnis zu den Besucherzahlen. Die schlechte Bilanz werde sich auch nicht ändern. Ulrike Alex (SPD) warb vergeblich für das „gut angenommene Angebot, das uns über den Ort hinaus bekannt macht“. Auch Helmut Gieseler (CDU) bat ganz gegen die Fraktionslinie, dem Open-Air-Kino in diesem Jahr noch eine Chance zu geben.

Ein Antrag der UDS, den Haushaltsansatz von 9000 Euro Leasing-Kosten für das Kino zu streichen, fand schließlich als Prüfantrag eine CDU/UDS-Mehrheit. Und das obwohl der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Günter Weller (BfD), und Kämmerer Kolmer erklärten, dass die Kosten aus dem Vertrag zwischen Städtischen Betrieben und Stadt auch nach Einstellung des Kino-Betriebs weiterlaufen. Der Verkauf des Kino-Equipments spült nach einer Kalkulation der Stadt nur wenig Geld in die Stadtkasse.

In diesem Jahr kamen etwa 1500, im Vorjahr mehr als 2000 Besucher zu den Vorstellungen. Rechnet man lediglich die Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen, dann machte die Stadt leichten Gewinn. Berücksichtigt man den Personalaufwand, entstehen rechnerisch knapp 40000 Euro Verlust.

Für Empörung der Opposition sorgten die mit Koalitionsmehrheit beschlossenen Anträge der CDU, die Mittel in Höhe von 3000 und 2000 Euro für das Projekt Zusammenspiel und den Mitternachtssport zu streichen. Jämmerlich nannte das Hildegard Nondorf-Stroh (DL). CDU-Fraktionschef Thomas Wegener hatte das Fehlen eines pädagogischen Konzepts moniert und eine Evaluation gefordert. Das sei das Verlogenste, was er lange gehört habe, so Peter Gussmann (SPD). Andrea Wacker-Hempel (Grüne) warnte davor, Projekt totzusparen. Der Gesamtetat wurde von der CDU, BfD sowie der FDP/ÖDP beschlossen.

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