+
Wolfgang Simon ist in einem Schaltjahr am 29. Februar geboren.

Schaltjahr

Im Schaltjahr geboren: Mann aus Dreieich kann am eigentlichen Geburtstag nur alle vier Jahre feiern

  • schließen

Wolfgang Simon kann seinen eigentlichen Geburtstag nur alle vier Jahre feiern. Dieses Jahr ist es wieder so weit.

Dafür, dass ich jetzt erst 16 Jahre alt werde, sehe ich schon ein bisschen alt aus“, sagt Wolfgang Simon und lacht. Er sitzt in seiner Mittagspause in einem Restaurant in Neu-Isenburg, Und ja, wie ein Teenie-Boy sieht er in der Tat nicht aus. Aber das liegt nicht daran, dass er zu wild gefeiert hätte. Sein 16. Geburtstag ist in Wirklichkeit sein 64. Geburtstag, denn er wurde am 29. Februar 1956 geboren. Und so kann er nur im Schaltjahr, also alle vier Jahre, an seinem eigentlichen Geburtsdatum feiern. Wie eben an diesem Samstag.

„Ich bin jetzt nichts Besonderes, bloß weil ich am 29. Februar Geburtstag habe, aber es ist emotional schon etwas Besonderes, wenn ich am 29. Februar feiere.“ Das bedeute nicht, dass er das supergroß feiern würde wie seine runden Geburtstage. „An diesem Geburtstag werde ich bestimmt mit meiner Familie Essen gehen.“ Simon ist offen und herzlich, in einer TV-Serie würde er die Rolle des Super-Papas, der immer für seine Kinder da ist, bekommen.

In Frankfurt wird Simon geboren. Er wächst in Dreieich-Götzenhain auf, und lebt heute in Gravenbruch. Nie hätten seine Eltern und Großeltern seine Geburtstagsfeier ausfallen lassen. Bis heute feiert ihn seine Familie an den Nicht-Schaltjahren immer am 1. März. Als kleiner Junge fragt er sich aber schon: „Wieso haben meine Freunde einen richtigen Geburtstag, und warum ist mein Geburtstag einfach immer wieder weg?“

Bei der Einschulung trifft er dann auf einen Jungen, der gerade hergezogen ist und der das gleiche Schicksal teilt. „Wir lernten uns am ersten Schultag kennen und stellten fest, dass auch er am 29. Februar 1956 geboren wurde. Das war toll. Wir feierten dann auch zusammen.“ Dieser Junge tauchte auch immer auf Geburtstagsfotos auf. Aber irgendwann zog sein Schicksalsgenosse weg. „Leider haben wir den Kontakt verloren. Aber es wäre schon lustig, wenn er sich bei mir melden würde. Carsten Spindler heißt er“, sagt Simon.

Nach seinem Schulabschluss macht Simon zunächst eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Zwei Jahre ist er Zeitsoldat. „Ich saß im Innendienst in Kassel und habe die Schreibmaschine gequält“, sagt er und lacht. Seine Frau Monika, eine gebürtige Salzburgerin, lernt er bei einer Faschingsfeier kennen. 1979 fing er bei der Europcar-Autovermietung als Angestellter an. Seit über 25 Jahren leitet er zusammen mit seiner Frau selbstständig die Neu-Isenburger Europcar-Niederlassung. Sie haben zwei Söhne, Markus (Jahrgang 1983) und Stefan (Jahrgang 1986).

In Gravenbruch ist Simon so etwas wie eine lokale Bekanntheit. Bis 2016 war er nämlich der Vereinsvorsitzende der SSG Gravenbruch. „Meine Söhne spielten dort Fußball, und statt immer nur als Vater schlaue Tipps von der Tribüne zu brüllen, fing ich als Jugendbetreuer bei der SSG an.“

Apropos Söhne und Ruhmmomente: Die beiden bereiten ihm irgendwann in den 90ern seinen prominentesten Geburtstagsgruß. Die Söhne schauen Stefan Raabs Sendung „Vivasion“ auf Viva. „Es war der 29. Februar und Raab sagte, dass wenn jemand heute Geburtstag hat, er sich bei ihm in der Live-Sendung melden sollte. Dann könnte man CDs gewinnen“, erzählt Simons jüngerer Sohn Stefan. In diesen Zeiten ist noch Fax das Haupt-Kommunikationsmittel.

Die Söhne machen schnell eine Kopie des Personalausweises von Simon und faxen sie an Raab. Gespannt sitzen sie vor dem Fernseher. Der Vater ist auch zu Hause, weiß aber noch nicht, was folgen wird. Stefan Raab zieht wenige Sekunden später das Fax mit dem Foto von Wolfgang Simon aus dem Gerät, hält es in die Kamera und sagt Simons Namen.

Die Söhne finden es superlustig. Wolfgang Simon sagt im Rückblick: „Ich dachte nur: ‚Um Gottes Willen, wie peinlich.‘“ Er lacht.

Die CDs, die es zu gewinnen gab, kamen übrigens nie an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare