Violinistin Maria Liess

Sanfte Meisterin

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Die Violinistin Maria Liess bekommt den Kulturförderpreis der Stadt Rodgau. Sie ist erst 16 Jahre jung, im Gegensatz zu ihrer Geige. Die stammt aus dem Jahr 1739.

Maria Liess ist erst sechzehn Jahre alt, ihre Leidenschaft dafür schon 273. In einem silbernen, mit Aufklebern verzierten Kasten bewahrt die Schülerin ihr Wertvollstes auf: eine Geige, Baujahr 1739. „Mein Onkel hat sie mir geschenkt“, sagt sie und streichelt das uralte filigrane Holz.

Maria ist in Dudenhofen aufgewachsen und seit Kindertagen spielt sie Violine. Kürzlich hat sie für ihre beeindruckende musikalische Laufbahn den Kulturförderpreis der Stadt Rodgau gewonnen: „Als ich den Anruf bekam, dachte ich nur, wow“, sagt Maria.

Zuerst kam das Schlagzeug

Alles begann im Kinderchor: „Meine Familie hat eigentlich nichts mit Musik am Hut“, sagt sie, doch die Mutter förderte Maria und schickte sie mit sieben Jahren in einen Instrumenten-Orientierungskurs der freien Musikschule Rodgau: „Da habe ich auf vier verschiedenen Instrumenten geübt, Schlagzeug gefiel mir am besten“, erinnert sie sich und lacht, „meine Mama fand Geige besser.“ Vier Jahre nahm sie Unterricht an der freien Musikschule Rodgau bei Joachim Grote: „Er hat mir den Spaß am Geigen geschenkt“, schwärmt Maria.

Schon nach einem halben Jahr spielte sie im Orchester der Musikschule mit: „Irgendwann meinte mein Lehrer, er könne mir nichts mehr beibringen.“

Die damals Zwölfjährige lernte daraufhin ein Jahr bei einer Frankfurter Musikstudentin: „Durch sie habe ich meine beste Freundin Henriette kennengelernt.“ Henriette war Klavierschülerin und suchte eine Geigerin zur Kammermusik. Zusammen spielten die Mädchen sich in einen Rausch: „Sie hat die totale Motivation in mir geweckt“, sagt Maria heute. Zusammen nahmen sie am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil, drei Mal schafften sie es auf Bundesebene und belegten dieses Jahr den zweiten Platz.

Bundesjugendorchester

2012 ist das erfolgreichste Jahr in Marias Karriere als Violinistin. Neben dem Kulturförderpreis der Stadt Rodgau und dem zweiten Platz bei „Jugend musiziert“ darf sie zur Probe beim Bundesjugendorchester mitspielen: „Wenn ich mich gut mache, nehmen sie mich auf“, sagt sie und strahlt. „Die spielen auch in der Berliner Philharmonie, da will doch eigentlich jeder Musiker mal auftreten.“

Doch neben der Musik gibt es da noch die Schule in Marias Leben. Seit der fünften Klasse besucht sie die Musterschule in Frankfurt mit Schwerpunkt Musik. Dazu muss sie jeden Tag eine Stunde mit der S-Bahn fahren.

Gerade hat Maria eine Klausurenphase, es bleibt nur wenig Zeit für die Geige: „Ich versuche jeden Tag etwa zwei Stunden zu spielen“, sagt sie. Einmal die Woche hat sie zusätzlich Unterricht und durch ein Stipendium kann sie sich künftig eine zweite Stunde in der Woche leisten. Dann spielt sie auch noch für das hessische Landesjugendorchester. Zeit für einen Freund bleibt ihr aber trotzdem. Natürlich ist auch er Musiker, aber mehr darf hier nicht verraten werden.

Für das Preisgeld will sich Maria Noten kaufen und vielleicht einen Meisterkurs belegen. Geige spielen erfordere viel Geduld und Übung, sagt sie, doch sie habe immer wieder Lust ihr Instrument aus dem Kasten zu holen und drauflos zuspielen.

Sie behandelt die zarte Geige fast wie ein Baby, sanft und vorsichtig legt sie sie an und als sie sie streicht fegen tausend zarte Töne wie ein Feuerwerk durch die Aula der Musterschule: „Das ist Bach, daran arbeite ich im Moment.“

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