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Viel zu schmökern gab es im Bürgerhaus.

Dietzenbach

Manche haben kein einziges Buch

Experimente und Jonglage sollen bei den Dietzenbacher Kinderbuchtagen im Bürgerhaus das Interesse am Lesen wecken.

Von Anne Jäger

Barfuß steht Lukas Buhr auf der Bühne des Dietzenbacher Bürgerhauses. Immer wieder gleiten blitzschnell drei orangene Bälle durch seine Hände und wirbeln durch die Luft. Manchmal nutzt der Schüler der Rudolf-Steiner- Schule den Boden, um die Bälle aufprallen zu lassen. Ein Mädchen, das unter den rund 30 Zuschauern sitzt, schnappt erstaunt nach Luft. Die Jonglage soll unter den Zuschauern Interesse wecken. Wie kann man lernen, mehrere Bälle gleichzeitig zu jonglieren? Gibt es vielleicht Geschichten, in denen ähnlich magische Dinge passieren, wie bei dieser Showeinlage?

Die Dietzenbacher Kinderbuchtage sollen auf spielerische Weise die Neugierde der Kinder entfachen und sie für das Lesen gewinnen – weg von Fernseher und Computer. Während eine Gruppe einer Vorleserin lauscht, die auf Deutsch und Urdu ihre Geschichten erzählt, sagt Gaby Kühne vom Organisationsteam, dass die vier Tage rund ums Lesen auch Integrationsarbeit seien. Zum Vorlesen hätten viele Eltern kaum noch Zeit, da oft beide berufstätig seien. „Es gibt Familien, da gibt es kein einziges Buch im Haushalt“, erzählt Kühne, die beruflich Verfahrensbeistand ist.

In der Experimente-Insel dreht der siebenjährige Philip wie wild an dem Rad der Farbmischanlage. Obwohl die Scheibe nur rot und blau ist, ändert sie ihre Farbe in ein einheitliches Lila, wenn Philip an dem Nachbarrad dreht, das über einen Gummi mit der Farbscheibe verbunden ist. „Lass mich auch mal“, nölt sein fünfjähriger Bruder Luis. Philip will Paläontologe werden, und bringt das Wort schneller über die Lippen als manch Anderer. „Ich habe eine Dino-CD, berichtet er stolz. Aber er lese auch gerne, am liebsten Gänsehaut-Geschichten.

Projektleiter Ulrich Rathai hat alle Experimentiergeräte selbst gebastelt. Er hofft, dass Kinder auch die Bücher entdecken, die neben den Gerätschaften auf einem Tisch liegen. „Mit der Technikecke wollten wir vor allem lesefaule Jungs begeistern“, erzählt Rathai. Bislang seien es jedoch eher die Mädchen, die den Büchertisch erkunden. Rund 18 Monate hätte die Planung der Kinderbuchtage gedauert, sagt Rathai. Mit dem Ergebnis ist das Team aus 52 ehrenamtlichen Helfer, das von der Stadtbücherei und der Stadtmarketing-Agentur unterstützt wird, zufrieden. Allein am Donnerstag und Freitag sind 800 Schüler ins Bürgerhaus gekommen.

Bilder sind wichtig

In der Kreativ-Ecke bringt ein Mädchen mit Wasserfarben eine Meerjungfrau zu Papier. Konzentriert zieht sie Pinselstrich für Pinselstrich. „Märchen sind für Kinder oft interessanter, wenn sie auch illustriert sind“, weiß Jelena Hild, die den Raum betreut. Und manche Kinder würden Bücher nur zum Malen ihrer Lieblingsfigur lesen, so die Kunstpädagogin.

Im Saal des Bürgerhauses stöbert Sylvia Lorber-Orfanidis in den ausgestellten Büchern. Verlage haben sie gesponsert, im Anschluss an die Kinderbuchtage werden sie der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt. An dem Tisch hängt ein Zettel, auf dem ein Pinguin abgebildet ist. Er kennzeichnet die geeigneten Bücher für Drei- bis Sechsjährige. Die Mutter sucht gezielt nach Büchern für ihre vierjährige Tochter, die genau weiß was sie will: Prinzessinnen-Bücher.

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