Verkehr

Die RTW-Strecke wird verlängert

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Die Parlamentsmehrheit in Neu-Isenburg votiert für Gleise bis ins Neubaugebiet Birkengewann.

Jahrhundertentscheidung, Meilenstein, gigantisch günstige Gelegenheit für Neu-Isenburg – die Redner in der Stadtverordnetenversammlung haben sich am Mittwochabend förmlich überschlagen, als sie das Mobilitätskonzept 2030 und den Abzweig der Regionaltangente West (RTW) einschließlich der Verlängerung bis zum Neubaugebiet Birkengewann beschlossen. Damit ist jetzt ein Thema vom Tisch, das Politiker und Bürger mehr als zwei Jahre lang intensiv beschäftigt und in der Stadt auch zahlreiche kritische Stimmen heraufbeschworen hat.

Vom Bahnhof im Westen bis zum Neubaugebiet Birkengewann im Osten wird nun ab 2025 ein Schienenstrang mit insgesamt vier Haltestellen verlaufen. Der Mittwochabend markiert den verbindlichen Startschuss für das ehrgeizige Projekt. „Die Strecke wird jetzt technisch durchgeplant“, erklärt RTW-Geschäftsführer Horst Amann gegenüber der FR das weitere Vorgehen. Die RTW-Planungsgesellschaft projektiert dabei die Schiene, die Stadt den Umbau der Straßen. Im Herbst werde beides synchronisiert, dann folge ein Planfeststellungsverfahren und damit das Recht, zu bauen.

Das Stadtentwicklungskonzept Mobilität prognostiziert im Jahr 2030 in Neu-Isenburg ein Viertel mehr Fahrbewegungen als im Referenzjahr 2016. „Mit der RTW wird ein Verkehrsinfarkt verhindert“, war sich Frank Wöllstein (FWG) sicher – auch deshalb, weil am Bahnhof und am Birkengewann eine Park-and-Ride-Anlage gebaut werden soll. Mit dem Beschluss des Stadtparlaments habe Neu-Isenburg ein Alleinstellungsmerkmal, so Amann: „Ein regionales Verkehrsmittel trägt zur Erschließung der Stadt bei.“

Die Stadt ist einer der zwölf RTW-Gesellschafter. Damit erhält sie die Verlängerung der Strecke bis ins Neubaugebiet Birkengewann sozusagen zum Schnäppchenpreis: Sie zahlt einmalig 400 000 Euro – obwohl die Kosten mit 13 Millionen Euro angesetzt sind. Zuschüsse und der prozentuale Anteil der anderen elf RTW-Gesellschafter machen das möglich. Für die Umgestaltung der betroffenen Straßen fallen 14 Millionen Euro an. „Die Friedhofstraße müsste ohnehin saniert werden, sie ist ein Flickenteppich“, sagte Patrick Föhl (CDU).

„Wir rechnen mit 1,3 bis 1,5 Millionen Euro Belastung pro Jahr“, erklärte Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) gegenüber der FR. Dieser Betrag sei vergleichbar mit dem heutigen städtischen Zuschuss für die Buslinien, erklärte Oliver Hatzfeld (CDU).

Die Verlängerung der ursprünglich geplanten Strecke stand bei Teilen der Bevölkerung massiv im Kreuzfeuer der Kritik. Dass dafür in der Friedhofstraße Bäume gefällt werden müssen, machte die RTW-Gegner genauso wütend wie der Bahnlärm vor der Haustür. Der Ruf nach Elektro- oder Wasserstoffbussen für die Fahrt ins Birkengewann wurde laut. Die Gegner sehen auch Beeinträchtigungen für den Autoverkehr, da in der Friedhofstraße zwei Fahrspuren weichen müssen und 100-Meter-Züge fahren werden, die an den Kreuzungen Vorrang haben. Der Bürgermeister hatte die Magistratsvorlage aber kurzfristig um den Punkt ergänzt, im Ost-Streckenabschnitt nur 50 Meter lange Züge fahren zu lassen.

Die FDP lehnte am Mittwochabend die Verlängerung ins Birkengewann ab, wollte die RTW nur bis zum Stadttor beziehungsweise zur Frankfurter Straße mit dem Isenburg-Zentrum führen. Im Osten drohe durch die Gleise eine Teilung der Stadt, und die Geschäftsleute werde es gar nicht freuen, wenn die Kunden nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt kommen. „Aus unserer Sicht überwiegen die Nachteile“, sagte Thilo Seipel. Die RTW sei „mehr eine Zwangsbeglückung als eine Alternative“. Seine Fraktion hatte eine Tunnellösung vorgeschlagen.

Die Koalitionsmehrheit aus CDU, Grünen und FWG beschloss am Mittwoch außerdem, die Weiterführung der Straßenbahn in Richtung Dreieich sowie Umfahrungslösungen im Süden und Nord-Osten der Stadt zu prüfen. Ein Ergänzungsantrag der Linken, sich auch an Modellprojekten für neue Mobilitätsformen zu beteiligen, fiel durch.

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