Die Grüne Mitte zwischen den Stadtteilen Urberach und Ober-Roden muss unangetastet bleiben, meint die Parlamentsmehrheit.
+
Die Grüne Mitte zwischen den Stadtteilen Urberach und Ober-Roden muss unangetastet bleiben, meint die Parlamentsmehrheit. 

Rödermark

Rödermark will „den Bauwahn nicht mittragen“

Die Mehrheit der Rödermarker Stadtverordneten sieht es als kritisch an, dass die Stadt Entwicklungsschwerpunkt in Rhein-Main sein soll.

Rödermark ist laut dem derzeitigen Regionalen Entwicklungskonzept des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt ein Impulsraum, gehört damit neben den Oberzentren Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Hanau zu insgesamt 15 Kommunen in Südhessen, die sich besonders gut für eine Siedlungs- und Gewerbeentwicklung eignen. Doch die Mehrheit der Stadtverordneten ist darüber gar nicht glücklich. „Ich habe meine Zweifel daran, dass das für Rödermark gut ist“, sprach CDU-Fraktionschef Michael Gensert in der Stadtverordnetensitzung am Dienstagabend den meisten Parlamentariern aus der Seele.

Natürlich bestehe ein gewisser Druck, Wohnraum zu entwickeln, sagte Rüdiger Werner (FDP) in der Parlamentssitzung, „aber wir werden den Bauwahn wie in anderen Gemeinden wie Rodgau nicht mittragen“.

Jede Menge Wohnbauflächen Neben Rödermarkhat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt auch Rodgau und Langen im Regionalen Entwicklungskonzept für Südhessen als sogenannte Impulsräume definiert.

Das RPsieht die drei Kommunen im Kreis Offenbach als Gemeinden, die gemeinsam mit den Oberzentren die größte Dynamik in der Region aufweisen. Sie sollen bei der Flächenausweisung im Vordergrund stehen.

Rodgauentwickelt derzeit vier Flächen gleichzeitig für den Wohnbau: das riesige Baugebiet Rodgau-West, zwischen den Stadtteilen Hainhausen und Jügesheim gelegen, in dem auf 46 Hektar mehr als 4500 Bürger ein neues Zuhause finden sollen; das Baugebiet N39 mit 15 Hektar südlich des Forschheimer Sees in Nieder-Roden; das Baugebiet D24 westlich der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen mit 6,7 Hektar sowie das Baugebiet J50 im Westen Jügesheims mit 2,7 Hektar. Auf lange Sicht bedeutet das insgesamt rund 8000 Einwohner mehr.

Langenwächst ähnlich stark. Das 28 Hektar große Baugebiet Liebigstraße wird für rund 3000 Neubürger gerade entwickelt. Nördlich der Elisabeth-Selbert-Allee ist gerade auf fünf Hektar ein Quartier für rund 500 Menschen entstanden, und im Baugebiet Belzborn im Langener Süden fanden rund 600 Menschen ein neues Zuhause. ann

Auch Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) schlug in diese Kerbe. In den vergangenen Jahren sei in der Stadt kein größeres Baugebiet entwickelt worden, „und das war so gewollt“. „Wir müssen nicht jeder Entwicklung hinterherlaufen“, sagte er – ebenfalls ein Seitenhieb auf die Nachbarstadt Rodgau, die den Wohnbau stark forciert, um am erwarteten Bevölkerungszuwachs im Kreis Offenbach und in Rhein-Main zu partizipieren.

Auslöser der Debatte war ein Antrag der SPD-Fraktion auf Sicherung von Bauland. Rödermark solle doch eine 20 Hektar große Fläche westlich der Marienstraße in Ober-Roden, die das RP im November als bevorzugte Entwicklungsfläche benannt hatte, als weiteren eigenen Vorschlag in die Gespräche mit dem Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main einbringen. Der Regionalverband erstellt derzeit einen neuen Regionalen Flächennutzungsplan.

Die Fläche zwischen Bahnstrecke, Rödermarkring und Albert-Einstein-Straße ist allerdings Teil der „Grünen Mitte“, einem Kaltluftentstehungsgebiet mit Feuchtbiotopen, Feldholzinseln und Maisäckern. Die Fläche sei vor 20 Jahren schon einmal für eine Bebauung im Gespräch gewesen, „dann ließ man sie wieder fallen“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Schultheis. Laut RP sei sie für Wohnbau besonders gut geeignet, da sie Luftlinie nur 150 Meter vom Bahnhof entfernt liege. Man müsse die Fläche westlich der Marienstraße nicht bebauen, aber die Stadtverordneten könnten doch einen Beschluss auf Vorrat fassen, meinte Schultheis. Damit habe die Stadt eine Tauschfläche, könne somit beim Grunderwerb flexibler sein. „Was das RP vorgeschlagen hat, könnte uns helfen, wenn sich Grundstückseigentümer querstellen“, so der SPD-Fraktionschef.

„Wir haben uns klar dazu bekannt, die Grüne Mitte von Bebauung freizuhalten“, sagte dagegen der Liberale Werner. Die Stadtverordneten hätten Optionsflächen für Wohnbau beschlossen, aber eben nicht da, wo sie das RP sehe, so Gensert. Es mache Sinn, die Einstufung des RP als Impulsraum zurückzuweisen. „Uns hat keiner gefragt, ob wir das wollen.“ Rödermark fehlten die Voraussetzungen, um eine solche Funktion erfüllen zu können. Der SPD-Antrag erhielt keine Mehrheit.

Kommentare