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Rodau-Lehrpfad soll entstehen

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Von: Annette Schlegl

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Wie der Bachlauf früher verlief, welche Bedeutung er für Flora und Fauna hat, und wie er sich heute präsentiert – das alles soll bis spätestens Mitte 2017 für jedermann nachvollziehbar sein. Eine Leitbildgruppe will einen Rodau-Lehrpfad mit 25 Informationstafeln errichten.

Es ist zwar schon weit mehr als ein halbes Jahrhundert her, aber Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne) erinnert sich noch genau, weil er als Kind jeden Tag an der Rodau in Rödermark war. „An der Obermühle haben die Bauern das Korn abgeliefert. Ich habe noch den Kornstaub vom Mahlen in der Nase.“ Die Obermühle gibt es schon lange nicht mehr, und auch die Rodau hat ihr Gesicht inzwischen stark verändert. Wie der Bachlauf früher verlief, welche Bedeutung er für Flora und Fauna hat, und wie er sich heute präsentiert – das alles soll bis spätestens Mitte 2017 für jedermann nachvollziehbar sein. Eine Leitbildgruppe will einen Rodau-Lehrpfad mit 25 Informationstafeln errichten.

Den größten Teil ihrer Wegstrecke durch Rödermark bringt die Rodau entweder in einem begradigten, steilen und viel zu tiefen Bachbett oder sogar unterirdisch hinter sich. Nur an zwei Stellen ist sie erlebbar: im renaturierten Bereich zwischen Urberach und Ober-Roden sowie an der Trinkbornschule in Ober-Roden. „Die Rodau ist mittlerweile im Wesentlichen unsichtbar, und wir wollen sie wieder hervorheben“, sagt Verena Henschler, die im Leitbildprojekt mit Rüdiger Werner, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), und Katja Schäfer vom Heimat- und Geschichtsverein zusammenarbeitet.

25 Standorte für die Infotafeln mit Bild und Text hat das Projektteam zwischen dem Spielplatz an der Quelle in Urberach und der Kläranlage in Ober-Roden nach mehreren Begehungen bestimmt. Elf der Schilder sollen die Historie mit Mühlen und längst zugeschütteten Mühlgräben darstellen, neun sollen die Renaturierung aufgreifen und zeigen, was heute an und von der Rodau lebt. Die restlichen Tafeln liefern allgemeine Fakten von den Quellgebieten über die Begradigung bis hin zum Entenweiher, der von der Rodau gespeist wird.

4000 bis 8000 Euro Gesamtkosten

Die Gesamtkosten des Projekts schätzt das Projektteam auf 4000 bis 8000 Euro – je nach Ausführung der Schilder. Der Nabu Rödermark hat sich bereit erklärt, die Kosten für die Schilder komplett zu übernehmen. Was darüber hinaus anfällt – wie zum Beispiel die Befestigungen für die Tafeln oder auch ein Flyer, der begleitend gedruckt werden soll – könnten Sponsoren bezahlen. Im Notfall würde die Stadt in die Bresche springen. Der Magistrat hat in seiner vergangenen Sitzung eine Kofinanzierung zumindest schon in Aussicht gestellt. Bei gesicherter Finanzierung könnte der Rodau-Lehrpfad zwischen Mitte 2016 und Mitte 2017 verwirklicht werden.

Obwohl der Bach größtenteils wenig naturnah zwischen Häuserzeilen plätschert, hat sich seine Wasserqualität in den vergangenen 30 Jahren stark verbessert. „Wir haben vier Fischarten gefunden“, sagt Rüdiger Werner. Ganz besonders freut er sich über das seltene Bachneunauge, das zwar aussieht wie ein Aal, aber ein kieferloses Wirbeltier – ein sogenanntes Rundmaul – ist.

Laut Bürgermeister liegt es „durchaus im Bereich des Möglichen“, dass die Rodau noch ursprünglicher werden kann. Die Renaturierung soll fortgesetzt werden – selbst wenn die Stadt unter dem Schutzschirm steht und sich keine finanziellen Sprünge erlauben kann. „Wir können Landesgeld erwarten“, sagt Kern. Näheres sei im September zu hören. Auf jeden Fall soll der Bachlauf im Baugebiet am ehemaligen Festplatz in Ober-Roden erlebbarer werden.

Nicht anfreunden kann sich die Leitbildgruppe mit einem oberirdischen künstlichen Rinnsal, das sowohl auf dem Rathausplatz in Ober-Roden als auch im Park am Entenweiher in Urberach denkbar wäre. Zum einen seien die Energiekosten für die Wasserpumpe zu hoch, zum anderen stehe das der weiteren Nutzung der Plätze entgegen. Auch von der Idee, auf dem Rathausplatz die Rodau mit einem Acrylglasboden wieder sichtbar zu machen, wie es eine Studentengruppe angeregt hat, nimmt die Gruppe Abstand. Hier stehe der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen.

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