Einladung in den musikalischen Salon

Dreieich Musiktage in Wohnzimmern und Firmenräumen feiern zehnjähriges Bestehen

Von Oliver Heil

Kammermusik im Wohnzimmer? Das gibt es noch oder vielmehr: Das gibt es wieder – seit zehn Jahren in Dreieich. „Wir haben sozusagen die Idee des kammermusikalischen Salons wiederbelebt“, sagt Wolfgang Barth, der bei den Bürgerhäusern Dreieich für die Veranstaltungen zuständig ist.

Jazz in der Werkstatt

Die Musiktage Dreieich, die in diesem Frühling ihren zehnten Geburtstag feiern, sind tatsächlich eine Veranstaltung der Bürgerhäuser. Auch wenn nur an einem einzigen Abend, beim internationalen Chorkonzert in Sprendlingen am 1. Juni, tatsächlich eines der Bürgerhäuser genutzt wird. Alle anderen Konzerte – und das ist das Besondere, das Salonhafte an den Musiktagen Dreieich – finden bei Privatleuten, in Firmengebäuden oder öffentlichen Einrichtungen statt. Wenn etwa am 27. April die Roman Kuperschmidt Band, die schon im vergangenen Jahr für Furore sorgte, gemeinsam mit dem Gershwin Quartett das Eröffnungskonzert bestreitet, laden sie dazu ins Gebäude der Stadtwerke ein. Diesmal, verrät Barth, findet das Konzert nicht wie in früheren Jahren in der Kantine, sondern mitten im Arbeitsalltag der Stadtwerke, wahrscheinlich in einem Werkraum, statt.

Die Kuperschmidt-Band und das Gershwin Quartett spielen an diesem Abend Klezmer, Johann Strauß und Glenn Miller. Diese ungewöhnliche Kombination läuft unter Jazz und das zeigt eine weitere Besonderheit der Musiktage: hier gehören Jazz, Weltmusik, und klassische Musik selbstverständlich zusammen.

Spenden halten Preise niedrig

Traditionelle klassische Kammermusik findet etwa im Privathaus der Familie Otto statt, wo am 29. April Joanna Trzeciak Klavierstücke von Chopin spielt. Oder am 25. Mai, wenn Familie Niebel einlädt und Lieder von Johannes Brahms und von Clara und Robert Schumann gesungen werden.

Die Karten kosten zwischen 12 und 21 Euro, an den meisten Abenden zahlt man 16 Euro, ermäßigt kosten die Karten meist 11 Euro. Das letzte Konzert – Klassisches und Unterhaltsames von Mozart, Khatchaturian und anderen, findet am 3. Juni bei Gerhardt Baustoffe in der Daimlerstraße statt.

Die vergleichsweise niedrigen Preise, das betont Wolfgang Barth, kommen nicht auf Kosten des städtischen Haushalts zustande, sondern durch großzügige Spenden. Aus der Stadtkasse würden nur, je nach Besucherzahl, zehn bis zwanzig Prozent der Gesamtkosten von 40000 Euro zugeschossen. Die 40000 Euro, das ist rund ein Viertel mehr als in den Vorjahren, haben sich die Veranstalter sozusagen zum Geburtstag geschenkt. Dafür kommen mehr Hochkaräter als sonst, unter anderen der Schwedische Kammerchor.

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