Wer bei Aldi nicht auf den sogenannten Knotenbeutel verzichten will, muss dafür bald einen Cent pro Stück zahlen. Foto: Matthias Balk
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Die Wiener Feinbäckerei Heberer vertreibt Brot, Brötchen und süße Stückchen nun auch über den Discounter Aldi. 

Mühlheim

Heberer verkauft Brötchen bei Aldi

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Wiener Feinbäckerei Heberer aus Mühlheim setzt auf einen neuen Vertriebsweg und wirbt für eine neue Anleihe.

Die Wiener Feinbäckerei Heberer vertreibt Brot, Brötchen und süße Stückchen nun auch über den Discounter Aldi. Nach Angaben des Familienunternehmens aus Mühlheim im Kreis Offenbach werden die Filialen des Discounters in Frankfurt und in Offenbach nun größtenteils von ihm beliefert. Vor knapp einem Jahr hatte die Großbäckerei bereits zwölf Filialen von Glockenbrot in den Eingangsbereichen von Rewe-Supermärkten übernommen, davon neun in Frankfurt und drei in Offenbach.

Heberer will zudem zum dritten Mal mit einer Anleihe bis zu sechs Millionen Euro einsammeln. Das von der Großbäckerei als „Traditionsanleihe“ beworbene Wertpapier hat eine Laufzeit von fünf Jahren und ist mit vier Prozent, also ungewöhnlich hoch, verzinst. Das Geld, das sich das Unternehmen auf diese Weise leiht, will es, wie es auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mitteilt, verwenden, „um Modernisierungen und strukturelle Optimierungen im Produktionsbereich vorzunehmen“. Die Einnahmen sollen aber auch der „Refinanzierung der bereits begebenen Anleihen“ dienen. Diese hatte das 1891 in Offenbach gegründete Unternehmen in den Jahren 2011 und 2016 herausgegeben.

Verbraucherschützer hatten sich schon damals skeptisch zu den Anleihen des Großbäckers, die nicht an der Börse gehandelt werden, geäußert. Jetzt warnt etwa Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von „Finanztip“ davor, dass bei solchen Anlagen prinzipiell ein Totalverlust drohe. „Das Geld kann tatsächlich weg sein“, sagte er jüngst in einer Sendung des Wirtschaftsmagazins „Mex“ im HR-Fernsehen.

Heberer hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 61,6 Millionen Euro erzielt, der gut 2,6 Millionen Euro über dem Vorjahreswert lag. Der Jahresüberschuss stieg auf 423 600 Euro. Für 2018 hatte das Unternehmen in seinem Jahresabschluss nur einen minimalen Gewinn ausgewiesen.

Das Unternehmen, das etwa 220 Filialen betreibt, hat nach eigenen Angaben einige Verträge mit kleineren Filialen nicht mehr verlängert und setzt dafür auf größere neue Standorte in Berlin und im Rhein-Main-Gebiet, wo die in fünfter Generation von der Familie Heberer betriebene Wiener Feinbäckerei mehr als 100 Filialen betreibt. Stark vertreten ist das Unternehmen zudem an Bahnhöfen, Flughäfen sowie in Thüringen. Dort betreibt Heberer in Weimar auch eine Produktionsstätte, die das Unternehmen, wie es im September ankündigte, jedoch schließen will.

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