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Quecksilber verzögert Zeitplan

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Von: Annette Schlegl

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Schon in Kürze rollen hier die Baumaschinen an.
Schon in Kürze rollen hier die Baumaschinen an. © Peter Jülich

Auf dem früheren Bosch-Gelände im Rödermärker Stadtteil Urberach soll Betreutes Wohnen entstehen. Doch der Baubeginn verzögerte sich. Die Stadt musste erst das Gelände sanieren.

Das Betreute-Wohnen-Projekt des Caritasverbands Offenbach auf dem früheren Bosch-Gelände im Stadtteil Urberach kommt langsamer voran als ursprünglich geplant. Bereits im Frühjahr sollten eigentlich die Baumaschinen anrücken. Nachdem Ende Juni der Kaufvertrag zwischen der Stadt Rödermark und der Caritas notariell besiegelt wurde, stehen für das 6,2-Millionen-Projekt jetzt endlich alle Ampeln auf Grün.

Das Projekt auf dem ehemaligen Bosch-Gelände an der Ober-Rodener Straße verzögerte sich, weil der Boden verunreinigt war. Proben brachten die Altlasten ans Licht. „Dort wurden Quecksilberverbindungen gefunden, die die Grenzwerte überschritten“, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Junge, der mit seinen Parteifreunden Norbert Schultheis, Hidir Karademir und Armin Lauer auf dem Areal auf Besichtigungstour war.

„Wer diese Quecksilberbelastung verursacht hat, wird für immer ein Geheimnis bleiben“, sagt Junge. Aufgrund wechselnder Besitzverhältnisse lässt sich der Verursacher nicht mehr genau feststellen. Auf dem Gelände war früher die Firma T&N ansässig, die 1985 in Telenorma umbenannt wurde. Im Jahr 1987 ging dann die Telenorma als Tochterunternehmen im Bosch-Konzern auf. 1996 wurde die Produktion von Telefonen und elektronischen Bauelementen in Rödermark aufgegeben. Auf dem Gelände kam die Galvanisierungstechnik zum Einsatz, also die chemische Oberflächenveredelung, die bei der Abwasseraufbereitung giftige Schlämme entstehen lässt.

Das Schulungszentrum der Firma wurde im Anschluss von der Stadt zwischengenutzt. Dort fanden die Berufsakademie und das Jugendzentrum eine Bleibe.

Projekt der Caritas

Die Stadt erhält rund 540.000 Euro aus dem Verkauf des Geländes, musste zuvor aber rund 300.000 Euro in die Bodensanierung stecken. „Das ist eine bittere Pille“, finden die SPD-ler, die als „Sommerfraktion“ seit Jahren die sitzungsfreie Zeit nutzen, um Brennpunkte in der Stadt in Augenschein zu nehmen. „Das schmälert die Einnahmen der Stadtkasse.“

Der Caritasverband Offenbach plant den Bau von 17 Sozialwohnungen, 21 frei finanzierten Wohnungen und zwölf Plätzen für eine Demenzwohngruppe. Zudem ist ein Zentrum für Beratung und Pflege vorgesehen. Zusätzlich zum reinen Wohnen können die Mieter Pflege- und Betreuungsleistungen zukaufen. Der Neubau wird erst im Sommer 2014 fertig, und nicht schon – wie geplant – im Frühjahr.

Die Stadt beteiligt sich an dem Caritas-Projekt mit 800.000 Euro. Das Geld stammt aus dem Verkauf des ehemaligen Telenorma-Parkplatzes auf der anderen Straßenseite an den Träger der Seniorenresidenz am Badehaus. Ziel dieser kommunalen Finanzhilfe: Die Mieten sollen bezahlbar bleiben. Das hatte die Stadtverordnetenversammlung im Jahre 2006 gefordert, weil in der Seniorenresidenz am Badehaus nur vergleichsweise teure Eigentumswohnungen angeboten wurden. „Die Stadt verknüpft ihre Zuschüsse mit einem Mitspracherecht bei der Belegung“, erklärt Stefan Junge.

Schon Anfang 2010 hatte seine Fraktion in Kooperation mit der CDU darum gebeten, bezahlbaren Wohnraum für Senioren zu schaffen, da das bisherige Seniorenheim Haus am Mühlengrund nicht mehr den heutigen Standards entspricht. Die Sanierung und der Umbau in ein seniorengerechtes Pflegeheim hätte die Stadt 7,2 Millionen Euro gekostet.

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