Kreis Offenbach

46 Prozent Versorgungsgrad sind zu wenig

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Im Kreis Offenbach soll die Betreuung an Grundschulen ausgebaut werden. Der Kreis beteiligt sich zu einem Drittel an der Finanzierung.

Momentan liege der Versorgungsgrad an Betreuungsangeboten bei Grundschulen bei unter 50 Prozent, hieß es am Mittwoch im Kreistag. Wer auf der Internetseite des Kreises nachschaut, liest, dass es genau genommen gerade einmal 46 Prozent sind. Zu wenig, darin sind sich alle Fraktionen einig. Ein Versorgungsgrad von 85 Prozent lautet nun das ehrgeizige Ziel des Kreises.

Um das zu erreichen, will der Kreis künftig den Kommunen bei der Einrichtung von Betreuungsangeboten wieder finanziell unter die Arme greifen. Denn in den vergangenen Jahren war es allein Sache der Kommunen, entsprechende Angebote einzurichten. Zwar hatte der Kreis im Jahr 2001 beschlossen Betreuungsangebote finanziell zu fördern, doch infolge der schlechten Finanzlage wurde im Dezember 2011 diese Förderung ausgesetzt.

Städte, die dennoch Nachmittagsbetreuung einrichteten, mussten diese selbst finanzieren. Dass dies für eher finanzschwache Kommunen kaum möglich war, schuf ein Ungleichgewicht: Das reiche Neu-Isenburg konnte sich etwa im Rahmen des Landesprogramms „Pakt für den Nachmittag“ sogenannte Paktschulen leisten, die ärmeren Nachbarn, etwa im Ostteil des Kreises, nicht.

Einstimmig votierten die Kreistagsabgeordneten dafür, dass künftig wieder ein Drittel der Kosten vom Kreis finanziert werden und zwei Drittel von der jeweiligen Kommune. Wer bisher in Eigenregie Angebote schuf, soll einen entsprechenden Ausgleich erhalten. FDP und Grüne hatten Gegenvorschläge gemacht, die jedoch keine Mehrheit fanden. So wollte die FDP eine 50-50-Finanzierung durchsetzen, die jedoch wegen der zu erwartenden hohen Kosten keine Mehrheit fand.

Zwar begrüße er die Ausweitung des Betreuungsangebots, sagte Kreiskämmerer Carsten Müller (SPD), doch warnte er vor falschen Vorstellungen über die Kosten. „Es sollte niemand glauben, es gebe plötzlich Geldtöpfe, auf die wir zugreifen können - letzten Endes zahlen alles die Kommunen“, sagte er. Nur wie deren Geld umverteilt werde, das gelte es zu entscheiden. Mit Blick auf Kreis- und Schulumlage, die für so manchen auf Kante gestrickten Haushalt in einigen Kommunen eine ständige Bedrohung sind, solle nicht zu üppig Geld ausgegeben werden, so die Warnung.

Einigkeit herrschte aber in dem Punkt, dass heute Eltern durch den Wandel in Gesellschaft und Arbeitsalltag mehr Betreuungsangebote erwarten. Hier gelte es, einheitliche Standards zu schaffen. SPD, Grüne und Freie Wähler verwiesen dabei auf ein besonderes Problem: Nur selten erfolgten Schulangebot und Nachmittagsbetreuung einheitlich, oft müssten Gebäude für Betreuungsangebote eigens errichtet werden, es gebe einen eigenen Personalstamm für die Betreuung und kein einheitliches pädagogisches Konzept. Dass Schule und Betreuungsgebäude abwechselnd vormittags oder nachmittags leerstünden, könne nicht die Zukunft sein, sagte Jürgen Kaiser (SPD).

Während die SPD hier ein Landeskonzept für Ganztagsschulen forderte, wollten die Freien Wähler dagegen die Kommunen in Fragen des pädagogischen Konzeptes gestärkt sehen.

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