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Probleme und Freuden im Doppelpack

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„Viel Arbeit, aber auch viel Freude“: Anke Schmuck beim Zwillingstreff in Langen.
„Viel Arbeit, aber auch viel Freude“: Anke Schmuck beim Zwillingstreff in Langen. © Renate Hoyer

Die Zahl der Mehrlingsgeburten steigt weiter an: Im Langener Zentrum für Jung und Alt tauschen sich Zwillingseltern aus.

Von Gabriele Meister

Trinken geht nur gleichzeitig“, sagt Katharina Licht-Egger, Mutter der Zwillinge Clara und Hauke. „Ich füttere eigentlich immer nacheinander, aber manchmal muss man gute Nerven haben, wenn das andere Kind krakeelt“, sagt Heike Adam, Mutter von Philipp und Luisa. Mit welcher Methode sich Zwillinge füttern lassen, mussten beide Mütter erst für sich herausfinden. Trotzdem tut es gut, sich auszutauschen, da sind sich beide einig. „Weil das Fragen sind, mit denen andere Mütter gar nicht konfrontiert sind“, sagt Licht-Egger. Deshalb gründete sie einen Zwillingstreff im Langener Zentrum für Jung und Alt.

Anfang Oktober hat sich die Gruppe zum vierten Mal getroffen, fünf Mütter und ein Vater sind diesmal mit ihren Zwillingen gekommen. „Ich war überrascht, dass das Interesse von Anfang an so groß war“, sagt Licht-Egger.

Kein Wunder: Während die Zahl der Geburten in Deutschland insgesamt zurückgeht, wächst die Zahl der Mehrlingsgeburten kontinuierlich: 1986 kamen in Hessen 540 Zwillingspaare zur Welt, im Jahr 2008 waren es schon 893. Grund hierfür sei die gestiegene Zahl von Hormonbehandlungen, sagt Konstantin Manolopoulos vom Kinderwunschzentrum im Offenbach.

Für Heike Adam dagegen war die Zwillings-Nachricht ein Schock. „Ich war überrascht, dass ich überhaupt schwanger bin - und dann auch noch mit zweien“, sagt Heike Adam. „Nach zwanzig Jahren Arbeit im Büro hatte ich Angst, mit Zwillingen zum nervlichen Wrack zu werden.“ Die ersten drei Monate seien die schwersten gewesen, sagt sie.

Das empfindet auch Katharina Licht-Egger so: „Der Mann vom China-Imbiss war unser bester Freund, sonst hätten wir überhaupt nichts mehr gegessen, so beschäftigt waren wir mit dem Wickeln und Füttern.“ „Zwillinge sind die beste Diät“, meint auch Heike Grau. Sprüche wie „Oh Gott, du Arme“ und „Ist doch super, alles in einem Aufwasch“, will sie trotzdem nicht hören. „Ich will kein Helferchen an meiner Seite haben“, bestätigt auch Anke Schmuck. Sie ist froh über ihre Zwillinge, und schließlich sei Muttersein an sich schon ein 24-Stunden-Job, selbst mit nur einem Kind.

Trotzdem habe sie manchmal Angst: „Während du ein Kind vor dem Fall bewahrst, fällt das andere “, sagt sie. 17-, 18-jährige Babysitter sind deshalb keine Lösung, meinen auch die anderen Mütter. Zwei Plätze in der Krippe zu finden ist aber nicht immer einfach – und auch nicht immer bezahlbar. Und ob die Zwillinge in einer Gruppe bleiben sollen, ist auch so eine Frage. Zum Glück ist bis zu dieser Entscheidung noch etwas Zeit.

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