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Die Stadt Rödermark geht bei der Betreuung von Obdachlosen mit Erfolg neue Wege. (Symbolbild)

Obdachlosigkeit in Rödermark

Probate Mittel gegen Obdachlosigkeit

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Um Obdachlosigkeit zu vermeiden, geht Rödermark neue Wege. Die Stadt hat eine Wohnungssicherungsstelle eingerichtet und eine Sozialpädagogin eingestellt, die die Menschen eng begleitet.

Die Stadt Rödermark geht neue Wege, um Obdachlosigkeit zu vermeiden und Obdachlosen zu einem normalen Leben zu verhelfen: Sie hat eine Wohnungssicherungsstelle eingerichtet und eine Sozialpädagogin eingestellt, die die Menschen eng begleitet. Das Obdachlosenheim wurde geschlossen, die Bewohner wurden dezentral in Wohngruppen untergebracht.

Einzigartig im Kreis Offenbach ist nun die Wohnraumbeschaffung nach dem „Housing-First-Prinzip“: Die Stadt mietet Wohnungen an, stellt sie Obdachlosen zur Verfügung, die sich stabil genug fühlen, um allein zu leben. Nach einer Bewährungsphase von ein bis zwei Jahren können sie mit dem Vermieter ihren eigenen Mietvertrag abschließen, sind dann nicht mehr wohnungslos und fallen aus der Statistik. Vor einem Monat unterzeichnete der erste Obdachlose die Nutzungsvereinbarung für eine solche Wohnung und zog mit seinen eigenen Möbeln dort ein, wird aber weiterhin sozialpädagogisch begleitet.

Vor zwei Jahren richtete die Stadt Rödermark unter dem Dach der Fachabteilung Senioren und Sozialer Dienst die Wohnungssicherungsstelle ein und stellte dafür mit einer halben Stelle die Sozialpädagogin Malvina Schunk ein. Damit änderte sich vieles: „Bis dahin wurden die Obdachlosen nur verwaltet, weil es keine Person gab, die sich um sie kümmerte“, sagt Schunk. Sie nahm die Wohnungslosen quasi an die Hand, forderte und förderte sie. Mit großem Erfolg: Ihre Zahl halbierte sich, statt 24 gibt es nach zwei Jahren in Rödermark nur noch zwölf. 

Obdachlosenheim geschlossen

Im Mai 2017 schloss die Stadt das Obdachlosenheim an der Ricarda-Huch-Straße. Bis zu acht Wohnungslose hatten sich in dem ehemaligen Hundeclubhaus häuslich eingerichtet, wohnten mit ihren eigenen Möbeln zum Teil schon seit 15 Jahren dort. „Da hat der Druck gefehlt, etwas zu verändern“, sagt Schunk. Die Bewohner wurden dezentral in Wohngruppen quer über das ganze Stadtgebiet untergebracht, durften aber nur einen Koffer mitnehmen; ihre Möbel wurden eingelagert. „Eine Notunterkunft soll nur eine Übergangslösung sein“, begründet die 31-Jährige.
Die Obdachlosen bekamen Spielregeln vorgegeben, müssen sich sowohl für Wohnraum als auch um einen Job bewerben, werden dabei aber von Schunk begleitet. „In der Regel bin ich einmal pro Woche dort“, sagt die Sozialpädagogin. Die Stadt erstellte eine Hausordnung, an die sich alle zu halten haben. Wer in Therapie geht, muss die Notunterkunft räumen und „kann sich nicht mehr ins gemachte Nest setzen, wenn er wiederkommt“.

Der Erfolg spricht Bände: 19 Obdachlose hat Schunk in diesem Jahr in Unterkünften untergebracht, mehr als 60 Einzelpersonen, Paare oder Familien suchten bei ihr Hilfe. Sie sprach mit Vermietern und Rechtsanwälten und konnte dadurch in den meisten Fällen Wohnungslosigkeit abwenden.

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