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Lärmgeschützt im Gespräch: Mitarbeiter von Ceotronics mit Spezialhelmen.

Rödermark

Ordentlich was auf die Ohren

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Infernalischer Lärm, gut gedämmt: Die ganze Palette extremen Krachs brüllt bei der Urberacher Firma Ceotronics auf Knopfdruck vom Band. Trotzdem macht Hightech die Kommunikation möglich.

Es ist eine ziemlich fiese Vorstellung: „Ab 140 Dezibel verflüssigen sich beim Menschen nach zehn Minuten die inneren Organe – es sei denn, er trägt Schutzkleidung und unseren Helm.“ Thomas H. Günther, Vorstandsvorsitzender der Ceotronics AG in Rödermark, weist auf einen unscheinbaren grauen Kopfschutz. „CT-DECT JetCom System“ bewahrt den Träger nicht nur vor Gesundheitsschäden, sondern ermöglicht ihm auch, neben einem startbereiten Militärjet mit seinem Team zu sprechen.

Diese Kommunikationssysteme für extreme Lärmbedingungen sind der Geschäftsbereich des Unternehmens, das vor 25 Jahren in Rödermark gegründet wurde. Fünf Leute waren es am Anfang, Thomas Günther ist der Sohn eines der Gründer. Sechs Tochterunternehmen in fünf Ländern werden von der Zentrale in Rödermark aus betreut, in mehr als 40 Ländern werden Produkte von Ceotronics vertrieben.

Headsets mit eingebautem Funkgerät in leuchtendem Orange, diskrete Mikrofone und Ohrstöpsel für Personenschützer bis hin zum Mikrofon, das die Sprache über einen Faltenbalg durch Knochenvibration von der Schädeldecke aufnimmt, reicht die Produktpalette. Letzteres ist geeignet für Feuerwehrleute, die unter engen Schutzmasken kein Mikrofon vor dem Mund tragen können.

Darf man als Besucher ins Herz des Unternehmens vorstoßen, mutet es zunächst so unspektakulär wie eine besser ausgestattete Heimwerkstatt eines Hobbytüftlers an. In einem kleinen Kellerraum eines der drei Firmengebäuden stehen große Lautsprecher, in der Mitte ein Puppentorso: Das Gesicht fehlt, bei dem Normkopf kommt es nur auf die Ohrlöcher an. Und die bekommen ordentlich was drauf, wenn die Techniker und Ingenieure hier die Produkte testen: Hubschrauberknattern, startende Flugzeuge, Industrielärm, Militärübungen, Rockkonzerte – die ganze Palette gesundheitsschädlichen und kommunikationstötenden Krachs brüllt hier auf Knopfdruck vom Band. „Der Raum ist komplett hervorragend gedämmt“, sagt Marketingleiter Peter Hügel, „aber wenn die Kollegen hier loslegen, hält man es im Erdgeschoss nicht aus“.

Feuerwehr, Flughafenmitarbeiter, Polizei, Industriemitarbeiter und viele andere Berufsgruppen müssen sich vor solchen Bedingungen nicht nur schützen, es ist auch unerlässlich, dass sie miteinander reden. Für sie wird in der Adam-Opel-Straße in Rödermark Equipment nicht nur entwickelt, sondern auch produziert. „Bei uns ist alles made in Germany,“ betont Thomas Günther.

Weil das Unternehmen in einem Nischenmarkt tätig ist, bildet es selbst für den eigenen Bedarf aus und unterhält eine Forschungsabteilung mit 14 Mitarbeitern. Obwohl „nach sechs extrem guten Jahren ein schlechteres in 2009 folgte“, so Günther, hat das Unternehmen niemanden entlassen. Mit Kurzarbeit in beiden deutschen Werken sollen so die Spezialisten gehalten werden.

Welche Entwicklung erwartet Günther nach dem Wandel von der Kabelübertragung hin zur digitalen Kommunikation mit mehreren Gesprächsteilnehmern? Der Geschäftsmann gibt seine Pläne nicht preis, „aber die Geräte kleiner und leichter zu machen, ist eine stetige Aufgabe“.

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