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Hier hält ein echter Polizist in einer nachgestellten Szene eine Autofahrerin. In Langen (Kreis Offenbach) fühlte sich ein Mann dazu berufen.

Prozess in Langen

Mann drangsaliert als falscher Polizist Autofahrer

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Als falscher Polizist drangsaliert ein 50 Jahre alter Mann andere Autofahrer. Sein Motiv: Er habe erzieherisch tätig sein wollen, sagt er vor dem Amtsgericht in Langen (Kreis Offenbach).

Blaulicht auf dem Autodach und im Kühlergrill, eine Polizeikelle, Handfesseln, ein nachgemachter Polizeiausweis, Polizeihandbücher – mit dieser Ausstattung hat sich ein Langener im Straßenverkehr als falscher Polizeibeamter versucht. Wegen Amtsanmaßung und Urkundenfälschung wurde er am Mittwoch am Amtsgericht Langen zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen á 50 Euro verurteilt.

Von Anfang bis Mitte 2016 hatte der 50-Jährige demnach als falscher Polizist Autofahrer drangsaliert. Sein erstes „Opfer“ war eine junge Frau, die im Auto bei laufendem Motor mit dem Handy telefonierte. Er klopfte ans Fenster der Fahrertür, hielt ihr seinen gefälschten Polizeiausweis hin und maßregelte sie, das Fahren mit einem Handy am Ohr sei verboten. „Er wollte es allerdings bei einer Verwarnung belassen“, sagte die Zeugin.

Einer 30-jährigen Langenerin, die mit ihrer Mutter unterwegs war, spielte der 50-Jährige übler mit. In Egelsbach fuhr er auf der Auffahrt zur A661 mit seinem Wagen sehr dicht auf ihr Auto auf, setzte die Lichthupe. Die Fahrerin trat daraufhin leicht auf die Bremse, sagte sie vor Gericht. Und schon sei das Blaulicht auf dem Dach gewesen, die Polizeikelle geschwenkt worden. „Er fing sofort an, mich cholerisch anzuschreien, ob ich ihn umbringen wollte.“ Sie habe sich sehr erschrocken. „Das nächste Mal gibt es Ärger“, habe er gebrüllt, bevor er davonfuhr.

Mann ist kein unbeschriebenes Blatt

Ein Zeuge erinnerte sich an ein Paket, das der falsche Polizeibeamte in seinem Geschäft abgeholt hatte. „Da ist bestimmt das neue Holster für meine Dienstwaffe drin“, soll er sich geäußert haben. Später interessierte er sich für einen Edelstahltresor, den er im Schaufenster gesehen hatte. Er brauche ein Behältnis, in das er seine Dienstwaffe im Auto einschließen könne, gab er dabei zum Besten.

Zeugen, die er in einer 30er-Zone in Langen aufgehalten hatte, mussten am Mittwoch nicht mehr aussagen. Der Angeklagte gab sich dann nämlich reumütig: „Das waren dumme und unüberlegte Sachen von mir.“ Er habe erzieherisch tätig werden wollen, erklärte er, weil er tagtäglich feststellen musste, dass immer mehr Verkehrsregeln missachtet werden. Die Polizeihandbücher habe er sich gekauft, „damit ich weiß, was ich darf und was nicht“, sagte er. Die Handfesseln seien für ein Karnevalskostüm gedacht gewesen.

Der 50-Jährige ist aber kein unbeschriebenes Blatt. Bei der Hausdurchsuchung fand man in einem Tresor 100 Patronen Kaliber 9 mm sowie Sprengstoffpulver. Die Eintragung ins Bundeszentralregister erfolgte aber erst im August 2017 und galt somit vor Gericht nicht als Vorstrafe. In dem Tresor fand die Polizei auch ein Bild von Hitler und einen Orden mit einem Hakenkreuz. „Haben Sie rechtsextreme Tendenzen?“, wollte der Richter wissen. „Darauf möchten wir jetzt nicht antworten“, sagte der Verteidiger.

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