+
So sieht es in Kostjukovitsch aus, der weißrussischen Partnerstadt der Stadt Dietzenbach.

Dietzenbach

Photovoltaik aus Dietzenbach für die weißrussische Partnerstadt

  • schließen

Die Stadt Dietzenbach fördert das Umweltbewusstsein von weißrussischen Schülern durch ein Photovoltaikprojekt, das sie auf dem Dach des dortigen Gymnasiums verwirklicht.

Die Stadt Dietzenbach stellt in den kommenden Wochen Besonderes auf die Beine: Sie liefert das Know-how für eine Photovoltaikanlage, die auf dem Dach des Gymnasiums der weißrussischen Partnerstadt Kostjukovitschi installiert werden soll – und ruft damit gleichzeitig ein ökologisch-pädagogisches Projekt ins Leben, das Grenzen überwindet.

Der Anstoß für das grenzüberschreitende interkommunale Gemeinschaftsprojekt, das am gestrigen Dienstag per Unterschrift besiegelt wurde, kam aus Kostjukovitschi. Seit 2009 ist die Kommune in Weißrussland, das amtlich Belarus heißt, schon Partnerstadt von Dietzenbach, seit zehn Jahren gibt es einen Verein Freundeskreis Kostjukovitschi, der die Städtepartnerschaft mit Leben erfüllt.

Solarenergie ist in Kostjukovitschi bisher noch kein Thema. Das Land hat zwar auf dem Gelände der Stadt eine Solaranlage gebaut, doch deren Energie fließt in ein Zementwerk. Strom für die Bevölkerung kommt bisher – wie überhaupt in ganz Weißrussland – hauptsächlich aus Atomkraft und zum Teil aus Gas, Biomasse und Holz.

Kostjukovitschi

Kostjukovitschiliegt im Osten Weißrusslands, ist rund 360 Kilometer von der Hauptstadt Minsk entfernt, aber nur rund fünf Kilometer von der russischen Grenze.

Die weißrussische Kreisstadthat 15 800 Einwohner, inklusive Kreis sind es 22 500 Einwohner.

Der Bürgermeisterist gleichzeitig auch der Landrat.

In Stadt und KreisKostjukovitsche gibt es insgesamt 13 Schulen mit rund 3000 Schülern, von denen etwa 1000 Deutsch in der Schule lernen.

Die Bevölkerungarbeitet hauptsächlich in einem großen Zementwerk und in der Landwirtschaft sowie der Forellenzucht. 870 Menschen sind auf einer Kolchose beschäftigt. 

Die Solarpanels auf dem Dach des Gymnasiums sollen nicht nur Strom produzieren und die Grundversorgung der Schule abdecken. Auch die Schüler profitieren davon, da die Schule durch die Photovoltaikanlage jährlich rund 6000 Euro Energiekosten spart und dieser Betrag laut Projektvertrag für die Bildung verwendet werden muss. Ein Info-Panel auf dem Schulgelände ist Anschauungsobjekt für die CO2-Ersparnis der Anlage und soll das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wecken.

Begleitend sind „Sensibilisierungsmaßnahmen“ geplant, wie sich Ex-Stadtrat Dietmar Kolmer, der Hauptinitiator des Projekts, ausdrückte. Die Lehrkräfte in Kostjukovitschi lassen das Thema Umweltschutz dauerhaft in die Fächer Politik, Physik und Mathematik einfließen. „In der 6. bis 8. Klasse wird der Stundenanteil in Physik erhöht, um das Thema zu vertiefen“, erklärte Aliaksandre Gorbatschowski, der Bürgermeister von Kostjukovitschi, der seit rund einem Monat im Amt ist. In sämtlichen Schulen der Stadt finden außerdem Infoveranstaltungen statt. Dafür werden Flyer auf Belarussisch erstellt, die das Projekt und die Funktionsweise einer Photovoltaikanlage darstellen.

In Dietzenbach laden die beiden weiterführenden Schulen zu einer Veranstaltung, bei der rund 200 Schüler über das Projekt und die Hintergründe diskutieren sollen. Dabei wird auch Vitalina Petrusevich referieren, die weißrussische Jugendbotschafterin für Klimaschutz, die in Kostjukovitschi aufgewachsen ist. Dazu werden Flyer auf Deutsch ausgeteilt.

Die Kosten für das Projekt sind mit rund 78 000 Euro veranschlagt, die Stadt Dietzenbach muss aber keinen Cent dazugeben. Kolmer hatte nämlich beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Förderantrag eingereicht. Die Engagement Global GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Bundesrepublik, finanziert deshalb als zuständige Stelle 89,1 Prozent der Kosten. Der Rest wurde aus Spenden von örtlichen Dietzenbacher Unternehmen requiriert.

„Wir haben die Erfahrungen aus unserer eigenen Solaranlage in das Projekt einfließen lassen“, sagt Michael Würz, Technischer Leiter der Städtischen Betriebe Dietzenbach. Die Aufträge für die Panels auf dem weißrussischen Schuldach werden heute öffentlich ausgeschrieben, die Vergabe soll in vier Wochen erfolgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare