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Nutrias aus Tierliebe sterilisieren

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Von: Annette Schlegl

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Rund ein Dutzend Nutrias leben derzeit am Teich der Winkelsmühle in Dreieichenhain.
Rund ein Dutzend Nutrias leben derzeit am Teich der Winkelsmühle in Dreieichenhain. © imago

Eine Ärztin aus Dietzenbach will dafür sorgen, dass sich Nutrias am Teich an der Winkelsmühle in Dreieichenhain nicht ungehemmt vermehren können. Dabei hat sie das Wohl der Tiere zum Ziel.

Silvia Franz, Allgemeinärztin aus Dietzenbach, will dafür sorgen, dass sich die Nutrias am Teich an der Winkelsmühle im Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain nicht mehr ungehemmt vermehren können: Sie will die Nagetiere sterilisieren lassen. In Italien würde diese Methode der Bestandsregulierung schon seit Jahren erfolgreich durchgeführt, berichtet sie. „Ich würde mir die Kosten mit einer Freundin aus Dreieich-Offenthal teilen“, sagt Franz. Doch bisher scheitert sie mit ihrem Plan an der Bürokratie.

Rund ein Dutzend Nutrias fühlen sich derzeit an dem kleinen Gewässer in Dreieichenhain pudelwohl. Den Anglern sind sie aber ein Dorn im Auge. „Es herrscht eine aggressive Stimmung am Teich“, sagt Franz und berichtet von einem toten Tier, das sie mit ihrer Freundin zur Amtstierärztin des Kreises Offenbach gebracht habe. „Die Ärztin hat Blutergüsse im Bauchbereich, die von Fußtritten herrühren, und einen Biss von einem Hund festgestellt“, so Franz. Sie hat Mitleid mit den Tieren, will mit der Sterilisation dafür sorgen, dass die Population und damit die Probleme nicht noch größer werden. „Nutrias sind ortstreu“, sagt sie. Wenn man sie unfruchtbar mache, würden sie sich also nicht weiter ausbreiten.

Doch obwohl weder Stadt noch Kreis und Land Kosten für die Sterilisation entstehen, ist der Verwaltungsaufwand für die Medizinerin immens. „Wir brauchen sowohl die Genehmigung von übergeordneter veterinärmedizinischer als auch von politischer Seite“, sagt Franz. Sie hatte sich mit ihrem Ansinnen an den Ersten Stadtrat Martin Burlon (parteilos) gewandt. Dieser beauftragte die Verwaltung, sich um das Thema zu kümmern. Karl Markloff, Resortleiter Infrastruktur und Umwelt bei der Stadt Dreieich, telefonierte daraufhin mit der Naturschutzbehörde im Kreis Offenbach. Dort verwies man auf die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt. „Aus dem Umweltministerium in Wiesbaden hieß es, die Sterilisation solle wissenschaftlich begleitet werden“, sagt Franz und klagt: „Das ist alles unendlich zäh.“ Die Mühlen der Behörden mahlen ihrem Empfinden nach zu langsam: Nur bis Ende des Sommers können die Tiere sterilisiert werden, im September, wenn der Fellwechsel eintritt, geht das nicht mehr.

Bei der Stadt sieht man, so Markloff, „keinen unmittelbaren Handlungsdruck“. Schilder mit der Aufschrift „Nutrias füttern verboten“ seien seit Jahresanfang aufgestellt, Beschwerden über die Tiere habe es keine gegeben und auch eine Straße, die am Teich vorbeiführe, sei nicht unterminiert. Das hätten Lastenplattendruckversuche Ende des Vorjahres ergeben. Da sich Nutrias pro Jahr bis zu viermal vermehrten, müsse die Population aber bald reduziert werden. Die Stadt habe jedenfalls nichts gegen eine Sterilisation.

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