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Noch steht die Ampel an der Dietzenbacher Waldstraße zwölf Stunden lang auf Grün und zwölf Stunden lang auf Rot.

Dietzenbach

Nur noch fünf Sekunden Grün

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Wer bei einer neuen Ampelschaltung an der Dietzenbacher Waldstraße künftig nicht aufs Gas drückt, muss lange warten. Christoph Manus berichtet, warum daran ausgerechnet der hessische Landesrechnungshof schuld ist.

Jetzt bloß nicht abwürgen, wird sich bald mancher Autofahrer denken, der versucht, durch die Unterführung in der Dietzenbacher Waldstraße zu fahren. Denn vom 29. November an zeigen die Ampeln dort für beide Richtungen nur jeweils fünf Sekunden Grün an. Wer nicht rechtzeitig losfährt, muss zwei Minuten warten. Hinter der Ampel hängt zudem ein Blitzgerät. Das klingt wie eine Schikane – und ist auch so gemeint. Die Stadt will verhindern, dass vor allem Lastwagen, die zum Beispiel von Offenbach nach Rödermark wollen, durch die Waldstraße brettern statt über die Vélizystraße zu fahren.

Bisher löst sie das Problem noch anders. Die Ampel zeigt jeweils zwölf Stunden rot, zwölf Stunden Grün. Bis 12 Uhr Mittag kann sie nur Richtung Gewerbegebiet Nord und weiter zur Waldacker-Kreuzung befahren werden, bis Mitternacht dann nur in Richtung Steinberg.

Doch der Landesrechnungshof beanstandete diese Lösung, weil die Landeszuschüsse unter der Voraussetzung gewährt worden seien, dass Autofahrer die Unterführung zu jeder Uhrzeit befahren könnten. Sonst müsse die Stadt die Fördermittel in Höhe von 662.000 Euro zurückzahlen, bestätigte im März das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Frankfurt.

Nach „vielen Gesprächen“ haben sich Stadt und Amt nun auf diesen Kompromiss geeinigt. Die Stadt bezeichnet die neue Ampelschaltung als „Lösung, die sowohl den förderrechtlichen Bedenken des Landes Rechnung trägt, als auch die Interessen der vom Durchgangsverkehr betroffenen Anlieger wahrt und die Aufrechterhaltung verkehrssicherer Straßenverhältnisse gewährleistet“.

Die Anlieger können allerdings nicht länger mit einer Chipkarte die Ampel auf Grün stellen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Nachts zwischen 0 und 5 Uhr sowie sonntags soll die Anlage ausgeschaltet bleiben. Eine ähnliche Lösung mit derart langer Rot- und kurzer Grünphase ist dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen zumindest nicht bekannt. Die Stadt will Lastwagen zudem davon abhalten, die Abkürzung zu nehmen, indem sie die Straße auf 2,40 Meter verengt, wie das bereits in der Limesstraße praktiziert wird.

Die Verengung wird zwischen Pestalozzi- und Mainstraße entstehen. Als Provisorium dient, wie der städtische Pressesprecher Detlev Kindel sagt, ein Blumenkübel. Erst wenn erkennbar sei, dass der Testbetrieb einen verkehrsberuhigenden Effekt habe, werde es eine dauerhafte bauliche Lösung geben, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Bisher gilt in der Waldstraße bereits ein Durchfahrtverbot für Lastwagen, die breiter als 2,40 Meter und höher als 3,50 Meter sind. Nicht jeder hält sich freilich daran. Erst kürzlich blieb wieder ein Lastwagen in der Unterführung stecken.

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