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Jeden Donnerstagnachmittag entführt das Wii-Seniorenbowling in Neu-Isenburg alte Menschen in virtuelle Welten.

Neu-Isenburg

Rentner an die Spielkonsole

In einer Neu-Isenburger Seniorenwohnanlage begeistert sich ein ungewöhnliches Publikum für Videospiele. Der Bowlingtreff entführt in virtuelle Welten. Von Maurice Farrouh

Von Maurice Farrouh

Nur ein Kegel steht noch. Die übrigen neun hat Milan Holly mit einem gut gezielten Wurf bereits abgeräumt. Wenn ihm jetzt noch der zweite Versuch gelingt und auch noch der letzte Pin fällt, kann er sich einen "Spare" auf seinen Punktzettel schreiben, die zweithöchste Punktzahl beim Bowling nach dem "Strike". Er zielt, holt aus und räumt mit einem schwungvollen Wurf den verbleibenden Kegel ab.

Es ist Jahre her, dass Holly das letzte Mal auf Kegel gezielt hat. Laufen und stehen fällt dem 67-Jährigen schwer. Beim Bowlingtreff in der Seniorenwohnanlage I ist er trotzdem vorne mit dabei. Hier können Holly und die anderen Senioren, die zu dem offenen Angebot der städtischen Altenarbeit gekommen sind, nicht nur bequem im Sitzen die Bowlingkugeln auf den Weg schicken, sondern müssen auch nicht die schweren Kugeln stemmen.

Eine kleine Fernbedienung reicht. Statt einer Bowlingbahn steht in der Cafeteria des Seniorentreffs ein kleiner weißer Kasten: die Videospielkonsole Wii vom japanischen Hersteller Nintendo.

Die Technik begeistert

"Die Technik ist für unsere Zwecke einfach genial", sagt Diplom-Sozialarbeiterin Andrea Winschuh. Sie hatte die Idee für das neue Angebot, dass es jetzt jeden Donnerstag in der Wohnanlage im Pappelweg gibt. Das Geheimnis des elektronischen Spielzeugs ist die Steuerung. Die Fernbedienung, mit der die Spieler ihre Figuren steuern, hat einen eingebauten Bewegungssensor, der ihre Bewegungen auf die Leinwand oder den Bildschirm überträgt.

"Wenn man es ein paar Mal ausprobiert, hat man den Dreh schnell raus", sagt die 75-jährige Doris Korte, während sie mit dem handlichen Spielgerät ausholt. Ein rascher Schwung ihres Arms lässt ihre Spielfigur die Kugel mit Schwung auf die Bahn schleudern. "Als ich noch jung war, sind wir mit befreundeten Paaren oft zum Kegeln gegangen", erzählt Korte. "Das war immer schön."

"Das virtuelle Bowlen ist ein geselliger Zeitvertreib für die Senioren, und für viele bringt es auch alte Erinnerungen an ihre Jugend zurück", sagt Winschuh. Sie selbst hatte vorher noch gar keinen Kontakt mit Computer- und Videospielen. "Die Idee, die Spielkonsole in der Altenarbeit einzusetzen, kommt ursprünglich von einer Gruppe Sozialarbeitsstudenten aus München."

Bei der Betreuung und Anleitung der kegelnden Senioren hilft ihr Marius Pietsch, der seinen Zivildienst in der Wohnanlage leistet. Für Winschuh ist das eine große Hilfe, denn anders als seine Chefin kennt sich der 20-Jährige mit Computer- und Videospielen gut aus - auch wenn er selbst keine Wii zu Hause stehen hat. "Privat spiele ich nur selten, und wenn, dann am Computer."

Das Wii-Seniorenbowling ist immer donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr in der Seniorenwohnanlage I, Pappelweg 38-42. Die Teilnahme ist kostenlos. Bei Bedarf steht ein kostenloser Fahrdienst zur Verfügung. Kontakt unter Telefonnummer: 06102/38837.

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