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Neue Treffpunkte im Wohnviertel

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Sitzbänke und Schaukel
Sitzbänke und Schaukel © Sascha Rheker

Im Sprendlinger Norden bewegt sich was. Immer mehr Ideen werden in dem Wohnviertel umgesetzt. Vor allem für Jugendliche soll es mehr Chancen geben.

Von Achim Ritz

Das Quartier mit den drei ringförmig angelegten Straßen, den Reihen- und Hochhäusern, in denen rund 4200 Menschen leben, ist 2007 in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt aufgenommen worden, damit Konflikte in diesem Stadtteil mit vielen Migranten nicht eskalieren und das Viertel sozial und baulich stabilisiert wird. Neue Orte der Kommunikation sind entstanden.

Allen voran der Nachbarschaftstreff im Berliner Ring, wo verschiedene Kurse zu Themen wie Nähen, Türkisch, Deutsch, Qi-Gong, Tai Chi, Yoga oder Interkulturelle Konfliktvermittlung angeboten werden. Dort treffen sich Schüler bei der Hausaufgabenhilfe, ebenso kommen Diabetiker, pflegende Angehörige, Mitglieder einer Mutter-Kind-Gruppe und die Internationale Frauengruppe dort zusammen. Seit einem Jahr besteht auch das Klamotten-Forum mit Second-Hand-Sachen. „Wir haben sogar Teile von Armani“, sagt eine Mitarbeiterin, die die Ware in den Regalen und auf den Kleiderständern ordnet.

Vieles von dem, was im Viertel neu entstanden ist, ist in Workshops von den Bewohnern als Idee entwickelt worden. Das Förderprogramm „Stärken vor Ort“ hat außerdem für einen Schub gesorgt. Es hat beispielsweise eine Spiellandschaft für Kinder wachsen lassen und Geld für 46 Mikroprojekte locker gemacht.

„Hier lebt’s sich gut“, sagt Roswitha Hemmerle, die seit 45 Jahren mit ihrem Mann in dem Viertel zu Hause ist. Vorher hat das Paar in Frankfurt gewohnt. Roswitha Hemmerle hat kein Problem mit Nachbarn und Bewohnern des Sprendlinger Nordens, solange sie sich gut benehmen. Die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Lebeneinstellungen der Mitglieder von Großfamilien mit Migrationshintergrund störe sich nicht. „Alles paletti hier“, sagt die 69-Jährige.

Und ihre Wünsche? Die haben nichts mit der Verschönerung des Quartiers oder den Angeboten im Nachbarschaftstreff zu tun. „Ich hätte gern eine Dusche im Bad.“

Noch habe sie ein Auto und könne zum Einkaufen ins Gewerbegebiet oder ins IZ nach Neu-Isenburg fahren. Doch Roswitha Hemmerle fragt sich auch, was sein wird, wenn sie mal nicht mehr so mobil ist. „Ein gescheiter Einkaufsmarkt vor der Haustür wäre nicht schlecht.“

Für die Jugendlichen hat die Stadt einiges getan. Die Open-Air-Treffpunkte sind verbessert worden, der Bolz- und Streetball-Platz ist gut frequentiert. Teenager der Innovativen Produktionsschule haben jetzt Sitzbänke aufgestellt. Drei mit einem Tisch für Gruppen und vier weitere speziell für Senioren. Diese Bänke haben eine besonders angewinkelte Rückenlehne und eine Fußleiste, die das Aufstehen erleichtert. In der Produktionsschule, die der Max-Eyth-Schule angegliedert ist, erwerben Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, Kompetenz und eine Portion Selbstbewusstsein. Nach Darstellung des Pädagogen Wolf-Dieter Petri tendiert die Abbrecherquote gegen Null. Das ist ein Erfolg

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